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Verbündete

Mitten in der Nacht rüttelte Zoahn die anderen vorsichtig wach.

,,Psst, ich glaube, daß sich etwas nähert. Nehmt eure Waffen bei der Hand und seid bereit.''

Jetzt horchten alle auf das Rascheln, das langsam näher kam. Es hörte sich vom Schritt wie ein Vierbeiner, wie Mor'Arukh an, jedoch schien noch etwas oder jemand dabei zu sein. Dann trat es aus dem Wald. Es war Mor'Arukh, aber da war noch jemand bei ihm, ein Wesen, das sie noch nie zuvor gesehen hatten.

Es sah aus wie ein zweibeiniger Drachen. Schwarze, mächtige Flügel, die den Körper um einen Meter überragten, hingen an einem muskulösen Körper mit schwarzen Schuppen, anstelle eines Fells oder einer Haut.

,,Das ist Onka'', sprach Mor'Arukh ohne Begrüßung und ohne Erklärung seiner Abwesenheit, ,,sie wird uns helfen, in die Burg zu gelangen. Unsere Feinde sind auch ihre Feinde.''

,,Setzt euch beide hin und erzählt'', sprach Sheelana zurückhaltend.

Die beiden nahmen Platz. Mor'Arukh vermied es, sich den Körper Stargazers anzusehen. Dann erzählte er. Er war den Ebern nachgestürmt, um sich zu rächen, jedoch waren sie durch ihre Ortskenntnis ihm überlegen. Da er nicht wußte, in welcher Richtung die Burg lag, lief er ziellos durch die Gegend, bis er Onka traf. Sie kämpfte gerade gegen zwei Eber, als er in ihre Nähe kam. Er ergriff seinen Kampfstab und stürmte auf sie zu. Bevor Onka recht begreifen konnte was geschah, hatte er die beiden Angreifer niedergeschmettert und mit seinen Hufen erschlagen.

,,Ich freute mich über die unerwartete Hilfe'', sprach Onka mit einer seltsam rauhen und tiefen Stimme, ,,nachdem sich zeigte, daß wir die selben Feinde haben, beobachteten wir gemeinsam die Burg. Ich überwache sie jetzt schon seit Tagen, um eine Schwachstelle in ihrer Verteidigung zu finden. Heute scheint mir das gelungen zu sein. Es gibt in der Nähe der Burg eine Höhle in einigen Metern Höhe. Sie ist, wenn meine Informationen stimmen, der Eingang zu einem Geheimgang, der direkt in die Burg führt. Dort kann ich dann endlich meine Rache nehmen.

Ich gehöre zu den letzten des Volkes der Drakos. Früher war dies unser Land, die Burg war unsere Burg. Aber dann kamen die Eber und verjagten uns. Trotz unserer scheinbaren Überlegenheit durch unsere mächtigen Körper unterlagen wir im Kampf mit den Ebern. Wir flohen in den Wald, nur auch dort ließen uns die Eber nicht in Ruhe. Immer wieder haben sie unsere friedlichen Dörfer überfallen, immer wieder mordeten sie unschuldige Kinder.

Vor zwei Wochen dann überfielen sie unser Dorf. Ich war zu dem Zeitpunkt gerade jagen. Auf der Rückkehr sah ich noch, wie die Eber abzogen. Als ich im Dorf ankam, bot sich mir ein Bild des Grauens. Sie hatten alle Bewohner bestialisch niedergemetzelt. Dafür müssen sie büßen.

Ich werde mich in die Burg schleichen und möglichst viele Eber umbringen. Wenn ich es schaffe, sogar Ronal, den Anführer dieser Mördertruppe. Ich rechne nicht damit, daß ich die Burg lebendig verlasse, nur die Rache ist mir jetzt noch wichtig.

Mor'Arukh'', mit diesen Worten berührte sie ihn sanft, ,,hat mir erzählt, was die Eber ihm angetan haben. Er hat mir auch erzählt, weshalb ihr hier seid. Ich werde euch helfen, den gelben Diamanten zu entfernen, erst danach werde ich meine Rache begehen, damit ihr keine Probleme bekommt.'', damit endete ihr Vortrag.

Sheelana empfand zwar ein gewisses Mißtrauen, jedoch schob sie es auf das Aussehen, das schwierig mit den Worten 'friedlich' oder 'unschuldig' in Verbindung zu bringen war.

Onka hatte in der Tat eine eindrucksvolle Statur. Unter ihrer pechschwarzen, schuppigen Haut lagen kräftige Muskeln. Ihre Hände erinnerten eher an Klauen. Auch ihr Gebiß bestand aus vielen Reißzähnen. Aber trotz dieser Merkmale besaß sie eine gewisse Weiblichkeit, eine wilde Weiblichkeit, die sie auf Mor'Arukh einwirken ließ. Diese Weiblichkeit wurde auch durch ihr knapp geschnittenes Lederkleid unterstrichen.

Und bei allen Bedenken, wußte sie eine Möglichkeit, um in die Burg zu gelangen. Diese Information konnte Leben retten.

,,Gut, du bist in die Gruppe aufgenommen, aber erkläre bitte, wie wir in diesen Geheimgang kommen sollen, wir haben schließlich im Gegensatz zu dir keine Flügel.''

,,Das ist kein Problem. Ich habe hier in der Nähe meine Ausrüstung deponiert. Dort befinden sich auch starke Seile. Ich werde hinauffliegen und dort ein Seil befestigen. An diesem könnt ihr dann emporklettern.''

,,Gut. Und was ist mit Mor'Arukh?''

,,Kein Problem. Wir werden ihn hinaufziehen.''

,,Dann wäre das geklärt. Wir sollten jetzt wieder an das Schlafen denken, denn Morgen wird ein anstrengender Tag.''

Sie legten sich wieder hin. Onka schob sich direkt zwischen Mor'Arukhs Beine an seinen Bauch, da sie ihrer Aussage nach so leicht zu frieren begann.

Am nächsten Morgen begangen sie das Lebenskreisritual. Normalerweise wurden die Leichen auf einen Holzstapel gebettet, der mit Harzen und Ölen getränkt war. Dieser Stapel wurde dann angezündet. Die übriggebliebene Asche und die Knochen wurden zerpulvert und auf die Felder gestreut, damit sie erneut in den Kreislauf des Lebens eintreten konnten.

Da sie hier nicht in ihrer Heimat, sondern in Feindesland waren, blieb ihnen nichts anderes übrig, als die Zeremonie nicht zu beenden. Sie sammelten Holz und betteten die sterblichen Überreste Stargazers darauf und zündeten das Holz an. Wenige Minuten danach mußten sie jedoch den Platz verlassen, da die Gefahr bestand, daß die Eber die Rauchentwicklung sahen, und ihr auf den Grund gehen wollten.

Mor'Arukh blieb bei der gesamten Zeremonie sehr gefaßt. Als er dann doch die Fassung verlor und anfing zu weinen, war Onka zur Stelle und tröstete ihn. Als sie später zu ihrem Lager zogen, blieb sie an seiner Seite.

Moonpaw fiel auf der Reise ein Edelstein auf, den Onka um den Hals trug. Als er sie darauf ansprach, meinte sie nur, daß sie ihn als kleines Mädchen von ihrer Oma geschenkt bekommen hatte, die durch einen früheren Angriff der Eber ums Leben gekommen war.

In ihrem Lager angekommen, rüsteten sie sich mit dem Nötigsten aus und zogen weiter in Richtung der Burg.


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