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Abschied

Es wurde Abend, die Ungeduld stieg. Es wurde Nacht, und es war endlich soweit. Sie holten ihre Bündel und zogen in Richtung des Fluchtweges. Es war eine Prozession des Schweigens, denn sie durften keine Geräusche machen, außerdem durften sie keine Fackeln entzünden. Obwohl die Wachen normalerweise äußerst unaufmerksam waren, hätte sie doch der Zufall verraten können. Als sie den Höhleneingang passierten, schauten die meisten noch einmal zurück, einige flüsterten ein stummes 'Lebewohl'. Nach einigen Metern wagten sie es dann, die Fackeln zu entzünden.

Sie zogen in absoluter Geräuschlosigkeit durch den Gang, einmal abgesehen von dem üblichen Schaben, Schlurfen und Klappern, aber kein Ton kam über ihre Lippen. Nach einer endlos erscheinenden Zeit erreichten sie endlich den Ausgang. Brock und Sheelana, die aufgrund ihrer Ortskenntnis die Führung übernommen hatten, spähten über den Rand. Moonpaw, der eine besonders gute Nachtsicht hatte, schaute ebenfalls, konnte aber keine Eber in ihrer Nähe entdecken.

Sie warteten fast eine halbe Stunde, ehe sie sich sicher waren, daß ihnen keine Überraschungen blühen würden. Die Seile wurden befestigt, dann begannen sie, daran zu Boden zu klettern. Gemeinsam zogen sie in den Wald. Nach einigen Minuten, als sie sicher gehen konnten, daß sie nicht entdeckt werden konnten, blieben sie stehen. Von da an trennten sich ihre Wege, nachdem sie sich gegenseitig alles Gute gewünscht hatten, und noch so manche Abschiedsträne geflossen war. Nicht jeder zog allerdings in seine alte Heimat. Die Paare, die sich gefunden hatten, hatten schon vor der Flucht darüber gesprochen, welche Richtung sie einschlagen würden.

Die einzigen, die in Richtung Westen ziehen mußten, waren Sheelana, Moonpaw, Zoahn, Brock und Durack. Aber bevor sie ihre Reise antraten, mußten sie noch jemandem einen Dienst erweisen. Sie suchten die Stelle, an der sie den toten Körper Stargazers verbrannt hatten. Nach kurzer Zeit hatten sie die Lichtung gefunden. Die Feuerstelle war noch in dem Zustand, wie sie sie verlassen hatten. Die Eber hatten also entweder diese Stelle nicht gefunden, oder sie ehrten die Toten ebenfalls.

Sheelana nahm einen Stoffbeutel, und tat etwas von der Asche hinein, damit sie diese den Eltern Stargazers überreichen konnte. Sie hoffte nur, daß sie anhand ihrer damaligen Beschreibung das richtige Dorf finden würde. Sie war der Auffassung, daß sie es Stargazer schuldig war, ihr diese letzte Ehre zu erweisen.

Die Rückreise lief ohne Schwierigkeiten ab. Sie berieten sich, was sie mit Marick machen würden, der ihnen ja diesen Ärger eingehandelt hatte. Da sie nicht sicher sein konnten, daß er von der Gefährlichkeit des Auftrages gewußt hatte, und da Moonpaw darauf bestand, verzichteten sie darauf, sich körperlich zu rächen. Statt dessen wollten sie ihn dazu bringen, niemanden jemals wieder dazu zu beauftragen, den gelben Diamanten zu besorgen, außerdem wollten sie genügend Geld fordern, so daß sie Stargazers Eltern eine kleine Entschädigung zahlen konnten, abgesehen davon, daß sie sich auch ihre Mühen erstatten lassen wollten.

Die Bande, die zwischen Sheelana und Moonpaw bestand, war fast körperlich zu sehen, trotzdem war beiden bewußt, daß ihre Harmonie nicht von Dauer sein konnte. Er blieb der Einzelgänger, sie blieb die Söldnerin, das beides war unmöglich miteinander zu vereinbaren.

Als sie in Sasur eintrafen, teilte sich die Truppe auf. Während Zoahn zusammen mit Durack und Brock Marick aufsuchen wollte, zogen Sheelana und Moonpaw weiter, um noch ein paar Tage in seiner Höhle zu verbringen.

Es war eine wunderbare Zeit. Er zeigte ihr sein Land und ließ sie teilhaben an seinem Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit. Sie bedauerten es, als nach ein paar Tagen Brock und Durack vor seiner Höhle ankamen. Zoahn war in Sasur geblieben.

Sie hatten Marick verfolgen müssen, da er sich auf einer Geschäftsreise befunden hatte. Leider hatte er sich nicht von logischen Argumenten überzeugen lassen, so blieb ihnen nichts anderes übrig, als ihm zu drohen, ihm körperliches Leid zuzufügen, falls ihnen jemals wieder zu Ohren kommen würde, daß er jemand auf die Suche nach dem gelben Diamanten schickte.

Auch das Geld war schwierig aus ihm zu locken gewesen, aber auch da waren sie letztendlich erfolgreich gewesen. So hatten sie jetzt genügend Geld, um mehrere Monate unabhängig zu sein. Als nächstes wollten sie sich auf die Suche nach den Eltern Mor'Arukhs und Stargazers machen, danach würden sie wieder normale Aufträge annehmen, denn das war ihr Leben.

Sie verbrachten noch eine gemeinsame Nacht, in der alle vier beisammen saßen und einfach nur Spaß miteinander hatten. Am nächsten Morgen war dann der Zeitpunkt des Abschieds gekommen. Die beiden umarmten sich ein letztes Mal und wünschten sich viel Glück. Sheelana versprach, bei Moonpaw vorbeizuschauen, wann immer sie sich in seiner Gegend befand. Natürlich konnten die beiden nicht wissen, ob diese Bande, die sie verband, auch die Wogen der Zeit überstehen würden, aber tief in ihren Herzen hegten sie diese Hoffnung.

Als sie weggingen, stand er noch lange im Höhleneingang und winkte ihnen zu, bis sie außer Sicht waren. Danach blieb er noch einige Zeit still stehen. Schließlich gab er sich einen Ruck, entkleidete sich, und wurde zum Vierbeiner. Wie lange hatte er eigentlich schon kein Zebra mehr gejagt?


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