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Sasur

Am Abend des zweiten Tages erreichten sie die Stadt. Sie waren schneller vorangekommen, als es sich Moonpaw erträumt hatte. Sheelana verfügte tatsächlich über eine hervorragende Konstitution.

Die Stadt konnten sie schon aus der Ferne sehen. Die Fackeln in den Straßen sorgten für eine düsteres Glimmen, das über weite Entfernungen sichtbar war. Sasur war die größte Stadt in der Umgebung. Sie war der Umschlagplatz für Waren aus allen Teilen der Umgebung. Was man hier nicht bekam, bekam man nirgendwo. Sasur bei Tag war ein interessanter Platz. An allen Ecken standen Händler und boten ihre Waren feil, Gaukler und Musiker spielten für ein paar Münzen und überall war Leben. Nur bei Nacht sollte man vorsichtig sein, dann trieben sich allerlei düstere Gestalten durch die engen, dunklen Gassen.

Es wurde gerade Nacht, die Straßen leerten sich, als Moonpaw und Sheelana die Stadt betraten. Sie gingen direkt auf ein Gasthaus zu, daß sich am Osttor der Stadt befand. Es hieß schlicht und einfach `Gasthaus am Osttor'.

,,Ich übernachte immer hier, wenn ich in der Stadt bin'', sagte Moonpaw, als sie das Gasthaus betraten.

,,Hallo Moonpaw'', schallte es vom Tresen herüber. Dort stand eine zierliche Skunkdame. ,,Oh, heute nicht alleine?'' entfuhr es ihr, als sie Sheelana entdeckte.

,,Hallo Tabia! Das ist Sheelana, ich habe sie sozusagen vor meiner Haustür aufgegabelt. Kannst du uns zwei Zimmer für heute und morgen Nacht geben? Wir werden morgen ein paar Erledigungen machen, es geht dann übermorgen weiter.''

,,Du hast Glück, es sind noch gerade zwei Zimmer frei.''

Nachdem sie sich eingeschrieben hatten, nahmen sie in der Gaststube noch ein Abendbrot zu sich. Danach bestellten sie sich einen Krug Wein und saßen noch lange zusammen und unterhielten sich über alle möglichen Sachen.

Moonpaw konnte oder wollte nicht viel über sich erzählen, also redete Sheelana fast die gesamte Zeit über. Der Wein wirkte dabei wie ein Zungenlöser. Sie erzählte von allen Aufträgen, die sie schon jemals angenommen hatte, von Kriegen, an denen sie teilgenommen hatte, von Überfällen und von Kundschafteraufträgen. Sie konnte zu jeder Narbe die sie trug, eine eigene Geschichte erzählen. Diese Narben schien sie eher wie Orden zu betrachten, nicht wie Schönheitsfehler.

Irgendwann wurde ihre Zunge dann immer schwerer und schwerer, also begleitete Moonpaw sie auf ihr Zimmer. Er half ihr die Treppe hoch, öffnete ihre Zimmertür und legte sie auf ihr Bett. Danach ging er in sein Zimmer.

Die ganze Nacht über konnte er schlecht schlafen, immer wieder wachte er auf und dachte an Sheelana. Sie faszinierte ihn immer mehr. Er konnte gar nicht anders, als ständig an sie zu denken. Was würde er bloß morgen machen, wenn sie beiden ihres Weges gehen würden? Würde er sie jemals wiedersehen? War das Feuer auch bei ihr entfacht oder nur bei ihm? Er war sich da nicht sicher.

Am nächsten Morgen war sie erstaunlich munter, während er etwas träge wirkte. Nach dem Frühstück machten sie sich auf, um Marick zu besuchen. Sein Geschäft lag genau im Zentrum der Stadt direkt neben den Häusern der wohlhabenden Leute. Das Geschäft war zwar relativ klein, doch beherbergte es sehr viel Gegenstände, die aus allen Teilen der Welt stammten. Ihr Wert war sicherlich nicht zu unterschätzen.

,,Guten Tag, meine Dame, mein Herr. Womit kann ich euch dienen?'', sprach Marick die beiden an. Er war ein Fuchs, der nur ein paar Zentimeter kleiner war als die beiden. Im Gegensatz zu Moonpaw und Sheelana, die nur die nötigste Kleidung trugen, trug er ein Baumwollhemd mit Rüschen am Kragen und eine rote Wollhose. Er trug mehrere Goldketten, und jeder Finger seiner Hände besaß einen eigenen Ring, zum Teil mit Brillanten, zum Teil aus Gold, zum Teil aus Platin. Ja, dieser Fuchs war vermögend.

,,Ich bin Sheelana, ihr habt nach mir geschickt. Das hier ist Moonpaw, er hat mich begleitet.''

,,Ah gut, ich habe schon auf euch gewartet, begleitet mich doch bitte in mein Zimmer.'' Mit diesen Worten ging er in Richtung einer kleinen Tür. Hinter der Tür lag ein kleiner, aber recht prunkvoll ausgestatteter Raum mit einem großen Schreibtisch in der Mitte. Marick nahm an einem Ende Platz, und bat die beiden, am anderen Ende Platz zu nehmen.

,,Brock und Durack haben, wir ihr bereits wißt, einen Auftrag für mich ausgeführt. Sie sollten für mich einen gelben Diamanten besorgen, der sich in Shai Z'gorn befindet.''

,,Ein gelber Diamant, davon habe ich noch nie etwas gehört. Außerdem, wo liegt Shai Z'gorn?'', fragte Sheelana.

,,Das liegt jenseits des Schattenwaldes, hinter dem großen Gebirge. Ich mache euch ein Angebot: Ich gebe euch die Landkarten und die notwendigen Beschreibungen, damit ihr eure Freunde finden könnt. Dafür verpflichtet ihr euch, für mich auf die Suche nach dem Diamanten zu gehen. Ich werde euch sogar den Lohn der beiden geben, falls ihr ihn bei mir abliefert.''

,,Wir möchten mehr als diesen Lohn. Ich werde eine Expedition zusammenstellen müssen, die aus mehreren Leuten bestehen wird. Dabei entstehen Kosten, die ich nicht zu tragen bereit bin. Wenn ihr diese Zusatzkosten tragt und zusätzlich eine Extrabelohnung für mich dabei herausspringt, dann bin ich bereit, dann beschreibt mir doch bitte, worum es sich bei diesem Diamanten handelt.''

,,Einverstanden. Ich werde die Kosten für die Ausrüstung und die Mitglieder tragen, allerdings erst nachdem ihr den Stein abgeliefert habt. Er wird in einer großen Burg hinter dem großem Gebirge aufbewahrt und ist ein Heiligtum der dortigen Einwohner.''

,,Und wieso wollt ihr ihn haben?''

,,Das hat euch zwar nicht zu interessieren, ich erzähle es aber trotzdem. Ich habe einen Käufer, der mit einen sehr guten Preis gemacht hat, das muß als Erklärung reichen. Die Eber werden darüber hinweg kommen, wenn sie ein Heiligtum weniger haben.''

,,Eber? Ich wurde von Ebern überfallen, als ich zu euch reiste!''

,,Interessant. Sie verfügen anscheinend über Spione. Ich rate euch, in der Stadt vorsichtig zu sein, wer weiß, was sie vorhaben, nachdem ihr Überfall anscheinend nicht funktioniert hat.''

,,Wir werden den Rat beherzigen. Gebt mir jetzt bitte die notwendigen Unterlagen, damit wir uns unverzüglich auf die Reise begeben können.''

Marick übergab ihnen einen Stapel mit hochwertigen Landkarten, sowie mehrere Texte, in denen genau beschrieben war, wie die Burg aufgebaut war, und wo sich das Kleinod befindet. Anscheinend hatten nicht nur die Eber ihre Spione.

Anschließend traten sie den Heimweg in ihr Gasthaus an. Zwischendurch fragte Moonpaw Sheelana: ,,Sag' mal, hast du gar keine Skrupel, den Ebern ihr Heiligtum zu stehlen?''

,,Sieh' das mal von einer anderen Seite. Die Eber haben mich zuerst angegriffen, sie haben mich dabei fast umgebracht und ich habe es wohl nur dir zu verdanken, daß ich noch lebe. Das heißt, jetzt bin ich an der Reihe, mich dafür zu rächen. Außerdem möchte ich Brock und Durack befreien. Das geht wohl nur mit zusätzlichen Leuten, und die kosten Geld, mehr Geld als ich habe. Das bedeutet also, daß ich keine andere Wahl habe, oder siehst du das anders?''

,,Nun ja, einerseits hast du sicherlich Recht, aber andererseits ist es immer noch Unrecht. Und Unrecht wird niemals durch anderes Unrecht wieder gut gemacht. Aber ich verstehe deine Beweggründe, deswegen werde ich dir auch helfen, die nötige Mannschaft zusammenzustellen. Was benötigst du denn für Leute?''

,,Nun, das ist ganz einfach. Ich benötige einen weiteren Kämpfer an meiner Seite, außerdem jemand, der sich mit Schlössern, Fallen und Geheimtüren auskennt. Desweiteren bräuchte ich einen Kundschafter, der am besten fliegen sollte, dazu auch jemanden, der das Gepäck tragen kann. Da könnte ich zwar auch ein unintelligentes Tier nehmen, aber die begehen zum Teil aus Unwissenheit und Instinkt Fehler, und das können wir uns dort nicht erlauben. Abschließend sollten wir einen Heiler mitnehmen, der sich auch aufs Kämpfen versteht und möglicherweise sogar etwas zaubern kann.''

,,Nun, bei dem Heiler kann ich dir helfen, da kenne ich jemanden, der für diese Arbeit geeignet sein könnte. Den Kämpfer können wir in den richtigen Spelunken finden, das dürfte kein Problem sein. Ansonsten könnten wir uns auch bei Tabia erkundigen, sie kennt viele Leute, vielleicht auch solche, die wir brauchen.''

Im Gasthaus angekommen, fragten sie sofort bei Tabia nach.

,,Was sagt ihr, braucht ihr alles? Einen Kämpfer, einen Heiler, einen Lastenträger, einen Kundschafter und jemanden, der sich mit Schlössern auskennt?''

Sie bejahten.

,,Hmm, also einen guten Heiler wirst du wohl besser kennen als ich. Wieso kommst du nicht einfach mit?fragte sie Moonpaw.

,,Mir ist einfach nicht nach Abenteuern. Wenn ich Aufregung haben wollte, könnte ich auch nach Sasur ziehen, ich will aber nicht.''

,,Ist deine Entscheidung, stimmt. Aber ich denke, du wirst besser wissen, wem deine Begleitung vertrauen kann. Kämpfer...ßie kratzte sich am Kinn, "hmm, es gibt viele, die von sich behaupten, es zu sein. Die meisten kehren nicht mehr von den Aufträgen heim, entweder weil sie vor Angst geflüchtet sind, oder weil sie sich einfach überschätzt haben. Ich kenne keine beim Namen, aber ihr könnt sicherlich jemanden am Westrand finden. In den dortigen Kneipen versammeln sie sich alle, um von ihren Abenteuern zu prahlen.''

,,Kannst du uns denn überhaupt niemanden nennen?'' fragte Sheelana genervt.

,,Doch, doch. Ich kenne ein Pärchen, Mor'Arukh, ein Zentaur, und Stargazer, ein geflügeltes Pferd. Die beiden sind schon seit Jahren zusammen und nehmen immer wieder Gelegenheitsjobs an, wenn sie mal wieder Geld benötigen. Sie ist eine hervorragende Kundschafterin, er ein kräftiger Lastenträger. Ich habe sie gerade vor ein paar Tagen gesehen. Wenn ihr einverstanden seid, kann ich sie suchen lassen.

Für die Suche nach einem Kämpfer kann ich euch den 'lachenden Ochsen' empfehlen. Die Spelunke ist etwas verrufen, aber dort treibt sich genau dieses Publikum herum, das ihr benötigt. Um diese Zeit ist dort allerdings noch nichts los, ihr solltet dort erst am Abend vorbeischauen. Nehmt doch zuerst in der Gaststube euer Mittag ein, und danach kannst du deiner Begleitung die Stadt zeigen.''

,,Eine gute Idee, meinst du nicht auch Sheelana?''

,,Ja, klingt gut. Ich hoffe, daß wir dann auch bald mit den beiden zusammentreffen. Wenn möglich würde ich mich auch gleich mit ihnen auf die Suche nach den weiteren Kameraden begegnen. Nur wenn sich alle verstehen, kann der Auftrag erfolgreich enden.''


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