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Kameraden

Nach dem Mittag warteten auch schon Mor'Arukh und Stargazer auf Moonpaw und Sheelana. Sie waren sich sofort sympathisch. Wie Tabia schon gesagt hatte, war Mor'Arukh immer etwas unbeherrscht und mußte durch Stargazer beruhigt werden, während Mor'Arukh Stargazer immer wieder in die Realität zurückbringen mußte. Sie verbrachten den gesamten Nachmittag miteinander, und lernten sich so kennen. Durch die Erzählungen Mor'Arukhs konnte sich Sheelana ein Bild der Arbeit der beiden machen.

Am Abend gingen sie gemeinsam zum 'lachenden Ochsen'. Diese Spelunke sah schon von außen nicht vertrauenerweckend aus. Mor'Arukh hatte Angst um seine Stargazer und blieb mit ihr draußen.

Als Sheelana zusammen mit Moonpaw den Innenraum betraten, war gerade eine Schlägerei im Gang. Das Zentrum der Schlägerei war ein großer grauer Wolf. Er wurde von vier Ratten angegriffen, die alle mindestens einen Kopf kleiner waren als er.

,,Siehst du den Wolf?'', fragte Sheelana Moonpaw, ,,Siehst du seine eleganten Bewegungen? Das ist ein geübter Kämpfer. Entweder er ist ein Naturtalent oder er wurde gut ausgebildet. Der gehört in meine Truppe.''

In der Tat dauerte die Schlägerei nicht besonders lange. Nach wenigen Minuten hatte der Wolf alle seine Gegner geschickt ausgeschaltet. Er achtete dabei darauf, daß er sie nicht zu stark verletzte. Nach dem Kampf ging er an die Theke. Sheelana ging sofort auf ihn zu.

,,Guter Kampf. Wie heißt du? Und was wollten die vier von dir?''

,,Ich bin Zoahn. Die vier waren der Meinung, ich hätte ihnen ihre Geldbörsen gestohlen. Als ich das verneinte, haben sie mich angegriffen. Nun ja, ich weiß nicht, ob sie jetzt eingesehen haben, daß ich sie nicht bestohlen habe, aber auf alle Fälle werden sie mich nicht mehr behelligen.''

,,Was für einen Beruf übst du aus?''

,,Ich bin Jäger und Tierfänger. Manchmal arbeite ich auch als Kundschafter, ich habe auch einmal an einem Feldzug teilgenommen, wieso fragst du?''

,,Wir suchen Leute für eine Expedition und du scheinst der Richtige für uns zu sein. Wir können dir Abwechslung und eine gute Bezahlung bieten.''

,,Worum geht es bei eurer Expedition? Ich habe keine Lust, wieder hilflose Leute niedermetzeln zu müssen.''

,,Nein, keine Angst. Wir möchten zwei Freunde suchen, die verschollen sind, außerdem sollen wir ein Kleinod finden. Abgesehen davon wurden wir schon von den anderen angegriffen, wir wehren uns also nur.''

,,Nun ja, ich bin zur Zeit ohne Arbeit und meine Geldbörse ist auch ziemlich leer. Moment! Meine Geldbörse! Wo ist sie? Na warte, wenn ich den erwische!''. Mit diesen Worten drehte sich Zoahn um, und verschwand in der Menge. Ein paar Augenblicke später erschien er wieder und hielt einen Wiesel am Kragen.

,,Hier haben wir den Taschendieb, wegen dem ich den Ärger gehabt habe. Du wirst jetzt allen Leuten ihre Sachen zurückgeben, dann verschwindest du von hier!''

,,Warte einen Moment'', mischte Sheelana sich wieder ein, ,,Du bist also Taschendieb und anscheinend recht geschickt mit deinen Händen. Wie gut kennst du dich mit Türschlössern und Fallen aus?''

,,Nun ja'', antwortete das Wiesel mit einer seltsam langgezogenen Sprachweise, ,,ich bin in der Tat recht geschickt mit den Händen, sie sind mein Handwerkszeug. Ohne sie würde ich verhungern.''

,,Dieses hier 'Handwerk' zu nennen, ist wohl eine Verunglimpfung jeder ehrlich arbeitenden Person. Du könntest es auch mit ehrlicher Arbeit versuchen. Ich mache dir ein Angebot. Du gibst die gestohlenen Sachen zurück und begleitet uns bei unserer Expedition. Dafür kommst du nicht in den Kerker und du bekommst sogar ehrliche Bezahlung dafür.''

,,Ist das eine gute Entscheidung?'' fuhr Zoahn fragend dazwischen. ,,Er ist ein Dieb. Wahrscheinlich ist er auch ein Lügner und hinterhältig ist er wohl auch noch. Wir können ihm nicht vertrauen.''

,,Nein, da habe ich andere Erfahrungen gemacht. Sobald wir zusammen an einer Sache arbeiten werden, wird er uns bei besten Kräften unterstützen, denn er wird einsehen, daß er uns braucht, um jemals wieder in seine Heimat zurückkehren zu müssen. Auch Diebe haben einen Selbsterhaltungstrieb. Bist du dabei?''

,,Nun, ich habe wohl keine andere Wahl, oder? Ich bin übrigens Smad.''

Nachdem sie ihn kurz informiert hatten, verließen sie die Spelunke. Draußen angekommen, wurden die einzelnen Leute einander vorgestellt. Gemeinsam ging es jetzt zum Heiler, der die gesamte Truppe begleiten sollte.

,,Shinuuk ist ein wirklich guter Heiler. Er ist nicht mehr ganz jung, aber er ist absolut unverwüstlich. Er ist ein hervorragender Kämpfer mit dem Kampfstab. Er hat mir einiges beigebracht. Schade, daß ich meinen Stab nicht bei mir habe, ich fühle mich immer etwas hilflos ohne ihn.'', erzählte Moonpaw, als sie gerade durch eine finstere Gasse gingen, in die nicht einmal das Mondlicht leuchtete.

,,Wartet, da ist irgend etwas! Ich spüre es!'', flüsterte Sheelana. Aber da kam es schon über sie. Ohne Vorwarnung brach die Hölle los. Moonpaw bekam einen Schlag auf den Kopf, sackte zusammen und blieb benommen auf der Straße liegen.

,,Geliebter, beschütze mich!'' rief Stargazer verzweifelt aus.

,,Keine Angst, bleibe immer an meiner...''. Man hörte einen dumpfen Schlag, dann verstummte Mor'Arukh.

Sheelana rief aus: ,,Bleibt immer Rücken an Rücken, so haben sie weniger Möglichkeit, euch ...''. Ein dumpfer Schlag, Stille.

Stargazer schrie hysterisch umher. Dann kam ein weiterer Schlag und sie verstummte ebenfalls. Moonpaw war kein Feigling, aber auch er konnte einsehen, wann eine Gegenwehr erfolgreich sein konnte und wann nicht. Die Gegner konnten sie anscheinend in der Dunkelheit sehen, nur sie konnten ihre Gegner nicht sehen. Er hörte noch zwei dumpfe Schläge, dann trat Ruhe ein. Moonpaw fragte sich verzweifelt, wann sie ihn finden würden, wann sie ihn erschlagen würden, ihr Werk vollbringen würden. Er hoffte schon, sie würden ihn übersehen, da spürte er den Atem eines Lebewesens über sich, dann explodierte der Himmel.


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