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Teufelsmoor

Am nächsten Morgen erreichten sie das Teufelsmoor. Mit einem Schlag hörte der Baumwuchs auf, der Untergrund schien der selbe zu bleiben, nur immer wieder schimmerte Feuchtigkeit darunter hervor. An trockenen Stellen wuchsen weiterhin Bäume, aber sie hatten sich nicht gegen den Untergrund durchsetzen können.

Die Gruppe bewegte sich jetzt die ganze Zeit am Westrand des Moores, immer nur ein paar Schritte von der trügerischen Sicherheit entfernt. Gegen Mittag bemerkten sie, daß sie in eine Sackgasse gelaufen waren. Plötzlich hörte der Waldwuchs vor ihnen auf. Wenige dutzend Schritte voraus fing der Baumwuchs wieder an, aber dazwischen lag das Moor.

,,Was nun?'', fragte Sheelana.

,,Ich steige auf, und sehe, wie groß der Umweg wird.'', antwortete Stargazer. Kaum hatte sie das ausgesprochen, war sie schon in der Luft. Nach kurzer Zeit landete sie wieder und berichtete sofort der Gruppe.

,,Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für euch. Die Gute ist, daß nach diesem kurzem Stück Moor anscheinend keine weiteren Hindernisse auf uns lauern. Die schlechte Nachricht ist, daß wir etwa einen halben Tag zurücklaufen müssen, um diese Bucht zu umgehen.''

,,Wir können uns einen so großen Zeitverlust nicht erlauben, Zoahn, ist es gefahrlos möglich, dieses Stück Moor zu passieren?'', antwortete Sheelana.

,,Nun, ich kenne zwar das Teufelsmoor, aber eben nicht diese Stelle. Es gibt Stellen, da ist das passieren absolut unmöglich. An anderen Stellen gibt es jedoch keinerlei Probleme. Es käme auf einen Versuch an.''

,,Seid ihr wahnsinnig? Ich habe keine Lust, im Moor zu versinken!'', erboste sich Smad und Moonpaw griff den Faden auf.

,,Ist es das Risiko wert? Wir verlieren zwar einen halben Tag, aber ansonsten vielleicht unser Leben. Das müssen wir sorgfältig abwägen. Wir haben ja nicht mal Seile, um uns anzubinden!''

,,Wir haben keine Zeit dazu irgend etwas abzuwägen!'', war der Kommentar von Sheelana zu diesem Thema. ,,Wir müssen halt ein gewisses Risiko eingehen. Wenn wir zu spät an unserem Zielpunkt ankommen, haben sich die Eber zu gut vorbereitet. Wir passieren diese Stelle. Zoahn führt uns an, dann folgt Mor'Arukh. Er ist der Schwerste von uns. Wo er passieren kann, haben wir auch keine Probleme. Zoahn klärt vorher das Gelände ab, so daß er keine Probleme haben wird. Dann folgt Moonpaw, hinter ihm geht Smad und ich schließe die Gruppe ab. Stargazer wird auf die andere Seite fliegen. Zoahn, glaubst du, daß es so funktionieren kann?''

,,Nun ja, wenn wir sehr vorsichtig sind, könnte es klappen.''

,,Gut, dann ist es beschlossen.''

Zoahn ging voran. Bei jedem Schritt den er tat, vergewisserte er sich, daß der Untergrund ihn tragen würde. Er hob einen Fuß an, bewegte ihn nach vorne, berührte den Untergrund, zuerst sanft, dann stärker. Schließlich, wenn er sicher war, daß ihn der Untergrund halten würde, verlagerte er sein Gewicht vollständig auf diesen Fuß. So ging das die ganze Zeit. Sie kamen langsam aber sicher voran.

Mor'Arukh folgte ihm Schritt für Schritt. Dadurch, daß er Hufe hatte und viel schwerer war, war die Gefahr einzusinken erheblich größer. Jedoch hatte er einen nicht zu unterschätzenden Vorteil darin, ein Vierbeiner zu sein. Mehr als einmal versank er mit einem Huf, konnte sich aber, da die anderen Hufe fest und sicher standen, wieder herausziehen. Smad hatte durch sein geringes Gewicht keinerlei Probleme. Moonpaw bedauerte es, nicht als Vierbeiner über das Gelände gehen zu können, aber er wollte seine Fähigkeiten nicht offenlegen.

Nach einer unendlich erscheinenden Zeit hatte Zoahn wieder festen Boden unter den Füßen. Wenige Augenblicke später folgte ihm Mor'Arukh, der von Stargazer stürmisch begrüßt wurde. Nach und nach kamen auch alle anderen an Land, nur noch Sheelana war auf dem Moor. Plötzlich verfing sich ihr Fuß in einer Mulde und sie stürzte. Dabei verlor sie die Tasche mit den Karten, die in einem hohen Bogen davonflog und etwa zwei Meter abseits der Passage liegenblieb. Sheelana stand sofort auf und rannte zur Tasche.

Moonpaw rief noch, ,,Sheelana, warte!'', aber da war es schon zu spät. Unter ihr, direkt vor der Tasche, tat sich der Boden auf und verschluckte sie bis zu ihrer Hüfte. Moonpaw wollte gleich hinterher, aber Zoahn hinderte ihn daran.

,,Warte, geh' nicht! Laß' mich gehen, ich weiß was zu tun ist!''

Zoahn warf sich auf den Boden und robbte zu der Stelle, an der Sheelana immer weiter versank. Mittlerweile hatte das Moor fast ihre Achseln erreicht. Zoahn robbte immer näher, aber er kam nicht direkt an sie heran, die beiden trennten nur noch wenige Zentimeter, aber er würde auch versinken, würde er sich ihr weiter nähern.

,,Wirf' mir den Tragegurt der Tasche zu und halt dich daran fest!''

Sheelana warf den Gurt, aber mit jeder Bewegung versank sie weiter, das Moor stand ihr jetzt fast bis zum Hals. Zoahn ergriff den Gurt, aber er hatte nicht genug Kraft, sie heraus zu ziehen, dafür aber lockerte sich der Boden unter seinem Körper. Moonpaw warf sich ebenfalls auf den Boden und bekam Zoahn Füße zu fassen. Mor'Arukh wiederum nahm Moonpaws Beine und zog mit all seiner Kraft daran. Die Körper von Moonpaw und Zoahn spannten sich, der Gurt spannte sich, und das Moor stand Sheelana bis zum Mund. Moonpaw schrie fast vor Schmerzen, als Mor'Arukh noch fester zugriff und sich seine Hände lockerten, aber da gab das Moor sein Opfer wenigstens ein Stück wieder frei. Zentimeter für Zentimeter schob sich Sheelana aus dem Loch heraus, das beinahe ihr Grab geworden wäre. Als Moonpaw festen Boden erreichte, ließ Mor'Arukh los und zog gemeinsam mit Moonpaw an Zoahns Beinen. Als Sheelana in Sicherheit war, warfen sich Sheelana, Moonpaw, Zoahn und Mor'Arukh vor Erschöpfung einfach auf dem Boden und holten tief Luft.

Als sie wieder bei Kräften waren, stand Zoahn auf und ging wutentbrannt zu Sheelana.

,,Das hätte Dein Ende sein können! Denk' das nächste Mal zuerst nach und handel dann! Du hast verdammtes Glück gehabt, um ein Haar wärst du jetzt in einem feuchten, kalten, klammen Grab!''

Sheelana antwortete kleinlaut, ,,Ja, du hast ja recht, aber die Tasche, wir brauchten doch die Karten, die darin sind. Ohne die wissen wir doch nicht, wo wir hin müssen. Aber egal, ich danke dir, daß du mein Leben gerettet hast, das werde ich dir nie vergessen.'' Mit diesen Worten umarmte sie ihn und gab ihm einen langen Kuß auf Zoahns Wange. Während Zoahn sein Glück kaum fassen konnte, verdunkelte sich Moonpaws Blick trotz der Freude über Sheelanas Rettung merklich.


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