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Der Anfang

Es war ein heißer Spätsommertag, die Sonne stand steil am Himmel. Ein etwa 30-jähriger Mann ging die Straße entlang. Wenn man ihm in sein Gesicht sah, konnte man erkennen, daß er schlechte Laune hatte. Die Eisdielen waren geöffnet und die Schlangen vor ihnen waren schier endlos; in den Straßencafés bekam man keinen Sitzplatz mehr, und die Freibäder und Badeseen waren ebenfalls überfüllt. Über das Wetter ärgerte sich Martin Bendle aber nicht, obwohl er als Bauernsohn sich eigentlich Gedanken über die vertrockneten Feldern machen sollte. Er ärgerte sich auch nicht über die 25.000 DM, die er erst vor kurzem durch eine Erbschaft bekommen hatte. Wer Martin den Tag über beobachtet hätte, dem wäre sogar aufgefallen, daß er bis zu einem bestimmten Zeitpunkt sogar überaus fröhlich gewesen war, bis er ein Geschäft mit dem Namen 'Heinrich Leise Nachf. Landmaschinen und Zubehör' betreten hatte. Als Martin in den Verkaufsraum ging, kam ihm gleich Herr Steffens, Nachfolger des verstorbenen Herrn Leise entgegen. Er machte eine ernste Miene. ,,Guten Tag Herr Bendle, wie geht es Ihnen?'' ,,Sehr gut, danke. Was macht denn der Spezialpflug?'', die lange Zeit, die er jetzt schon auf den bestellten Pflug wartete, stellte sogar Martins Geduld auf eine Probe, ,,Er müßte doch eigentlich inzwischen im Hafen angekommen sein?'' ,,Genau darüber möchte ich mit Ihnen sprechen'', entgegnete ihm Herr Steffens vielsagend, äber kommen Sie doch bitte mit in mein Büro.'' Herr Steffens führte ihn durch eine kleine Tür in ein kleines, aber zweckmäßig eingerichtetes Arbeitszimmer. Sie nahmen in einer Sitzecke Platz, die sicher schon seit der Gründungszeit hier stand. ,,Herr Bendle, es gibt Schwierigkeiten wegen des Pflugs.'' ,,Schwierigkeiten? Ich habe eigentlich gedacht, daß es keine Schwierigkeiten mehr geben könnte, nachdem ein solches Gerät weder auf dem inländischen, noch auf dem europäischen Markt erhältlich ist, ich für die Beschaffung zwei Wochen lang in die USA fliegen mußte, um dort von Händler zu Händler zu laufen, nur um die Adresse der kleinen Firma zu bekommen, die das Monopol auf das Gerät hat. Eigentlich konnte es doch keine Schwierigkeiten mehr geben, nachdem ich die Herstellerfirma gefunden hatte und sie aufgrund eines Kurzschlusses abgebrannt war, und ich sechs Monate warten mußte, bis das Gerät gebaut worden war. Was kann es also jetzt noch für ein Problem geben?'' Der Sarkasmus in Martins Worten war nicht zu überhören. ,,Die Behörden. Sie weigern sich, das Gerät zur Benutzung zuzulassen, es überschreitet die zulässige Höchstbreite für landwirtschaftliche Nutzgeräte um einen Zentimeter.'' Nachdem Martin seinem Unmut über die Behörden Luft gemacht hatte, beschloß er zu gehen und seinen Frust loszuwerden. An einer Kneipe machte er Halt und kam erst spät in der Nacht, immer noch schlechtgelaunt, aber dafür etwas alkoholisierter, wieder heraus. Als er in den sternklaren Himmel sah, enstand in ihm der Wunsch, dieser Welt mit ihrem Bürokratismus und ihren Problemen den Rücken zu kehren.
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