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Der Test

Nach drei Wochen stand das Chassis. In der Anleitung stand dazu:
,,Nach Fertigstellung des Chassis ist es wichtig, die Dichteverhältnisse zu prüfen. Einfache Mittel verwendend, kann dies durch eine Befüllung des Geräts mit Wasser erfolgen. Nach dem Füllvorgang ist jede Naht und Fuge des Gebildes auf Wasseraustritt zu untersuchen. Diese Vorgang sollte drei Tage lang geschehen, um alle Eventualitäten auszuschließen. Dazu ist ein Loch mit etwa zehn Zentimetern Durchmesser an der höchsten Stelle in die Hülle anzubringen. Durch dieses Loch kann die Befüllung geschehen.''
Das klang einfacher als es war. Er schweißte also ein Loch von etwa zehn Zentimetern in das Raumschiff, das zumindest von außen schon fast fertig schien. Das Fenster war eingesetzt und verstärkt, die Kufen waren angeschweißt, und die Tür eingesetzt. Nachdem er eine Pumpe, die auf dem Hof zur Feldbewässerung eingesetzt wurde, unter dem Vorwand, sie reinigen zu wollen, mit in die Scheune nahm, schloß er die Schläuche an, und startete das Gerät. Als das Chassis fertig mit Wasser gefüllt war, stellte er die Pumpe aus und fing an, die Schweißnähte zu kontrollieren. Martin lag gerade unter dem Schiff, um die unteren Schweißnähte zu kontrollieren, als er ein leises Geräusch hörte. Er schaute in alle Richtungen, um die Quelle des Geräusches zu lokalisieren, und da, plötzlich sieht er es; wie im Zeitlupentempo gibt eine der Kufen nach. Er versucht so schnell wie möglich unter dem Raumschiff hervorzurobben, das Geräusch steigert sich zu einem infernalischen Dröhnen, eine Hand schaut schon unter dem Raumschiff hervor... Sandra ging gerade an der Scheune vorbei, als sie ein fürchterliches Bersten aus dem Inneren hörte. Erschrocken rief sie: ,,Martin! Bist du da drin, ist dir was passiert?''. Keine Antwort. ,,Martin, antworte doch!''. Als nach zwei weiteren Anrufen immer noch keine Reaktion kam, setzte sie sich über alle von Martin aus gesprochenen Verbote hinweg, und versuchte, die Tür zu öffnen. Vergeblich, sie war von innen verriegelt. Sie rannte um die Scheune herum zur Rückseite und, ihr Glück, dort stand eine Klappe offen. Sie besorgte schnell eine Leiter und kletterte, immer zwei Sprossen auf einmal nehmend, die Leiter herauf. Sie stieg auf den Heuboden, blickte hinunter und sah das Raumschiff, das sie natürlich nicht als solches erkannte.. In einer anderen Situation hätte sie sich wohl mehr gewundert, so stutzte sie nicht einmal, sondern kletterte die schmale Leiter in den Innenraum herunter. ,,Martin, bist du hier drin? Bitte entschuldige, daß ich hier reinplatze, aber ich mache mir riesengroße Sorgen! Was war das für ein Krach?'', rief sie aufgeregt. Er gab keine Antwort. Sie hoffte, daß ihm nichts zugestoßen war, daß er am besten gar nicht in der Scheune war, damit sie ihm nicht erklären mußte, weshalb sie sich in der Scheune befand. Während sie um das seltsame Gerät herumging, hielt sie weiter Ausschau. Plötzlich stolperte sie. Als sie sah, worüber sie gestolpert war, stockte ihr der Atem und sie glaubte, daß ihre Beine ihren Dienst versagen würden. Was dort unter dem Wrack hervorragte, war eine Hand. An die nächsten Minuten konnte sich Sandra später nicht mehr genau erinnern. Sie mußte allerdings die Polizei gerufen haben, denn sie kam einige Zeit später. Als die Polizisten kamen, ging es ihr zumindest so gut, daß sie die Fragen beantworten konnte, ohne gleich in Weinkrämpfe ausbrechen zu müssen. Die Streifenpolizisten riefen sofort einen Kommissar herbei, als sie das merkwürdige Gefährt sahen, es aber nirgendwo einzuordnen vermochten. Der Kommissar, der wenig später kam, konnte sich allerdings auch keinen Reim auf dieses Gerät machen, daß dort mitten in der Scheune thronte, bis einer der Polizisten ihm einen Ordner gab, den er kurz zuvor gefunden hatte. Auf dem Ordnerrücken stand 'Studie zur Kostenreduzierung beim Bau bemannter Weltraumprojektile'.
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