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Mentalnet, zweiter Teil

Michael Vogel

Doktor Bliss ging zu Elisa, half ihr dabei, aufzustehen. Er nahm ihren Kopf zwischen beide Hände und sah sich die Wunde an. Ein fanatisches Funkeln erschien in seinen Augen. ,,Das Mentalnet ist die Zukunft!``

Unverständnis lag in Elisas Augen. ,,Bliss, was meinen sie da...`` Für einen Moment schien ihr Blick verschwommen, dann war er wieder fest, aber irgendetwas Seltsames lag darin. ,,Das Mentalnet ist die Zukunft!``, sprach sie.

 

Der Bildschirm wurde schwarz, Xanatos hatte den Bildschirm ausgeschaltet.

,,Und? Was sollte uns das zeigen?``, fragte Demona.

,,Demona, du bist so charmant wie immer.`` Er lächelte sie süffisant an, während er gemütlich in seinem Bürosessel saß.

Demona hatte es sich nicht bequem gemacht, sie lief in seinem Büro auf und ab. ,,Ich weiß immer noch nicht, was das uns bringen soll. Jetzt haben wir das Aufzeichnungsvideo der Nacht, und? Soll uns das etwa helfen, meine Tochter zu befreien?``

,,Man könnte meinen, daß Du in den eintausend Jahren Geduld gelernt haben müßtest, anscheinend ist das nicht der Fall. Aber egal. Das Video zeigt uns endlich, weshalb die Nodes die Welt übernehmen konnten. Doktor Bliss, dessen Forschungen zu finanzieren anscheinend mein größter Fehler bislang gewesen ist, hat die Mentalnodes entwickelt, damit die Gehirne der Menschen untereinander in Kontakt treten können. Dabei hat er drei Fehler begangen.``

Er stand auf. ,,Zum einen hat er nicht damit gerechnet, daß das Mentalnet ein eigenes Bewußtsein entwickeln könnte. Zum zweiten irrte er darin, daß der Schutz des eigenen Bewußtseins sicher sei. Sein größter Fehler aber bestand darin, daß das Gehirn, einmal stimuliert durch die Implantate, das selbige nicht mehr benötigen würde.``

,,Wovon sprechen sie?``

,,Nun, auf einem anderen Video hat Doktor Bliss der bedauernswerten Elisa etwas erklärt, einen Moment bitte.``

Xanatos drückte einen Knopf auf der Fernbedienung, die er in der Hand hielt. Der Bildschirm erhellte sich. Elisa war zu sehen, vor ihr stand Doktor Bliss.

Elisa sprach. ,,Ich glaube, ich verstehe das noch nicht so richtig. Sie sagen, der Kontakt der Leute untereinander geschieht mit Telepathie - auch wenn ich das immer noch bezweifle - sie sagen, es funktioniert komplett ohne Computer, nur als System in den Köpfen der Leute - wozu brauchen sie denn dann überhaupt diese Dinger?``

,,Das System könnte auch komplett ohne zusätzliche Hardware laufe, in der Tat. Allerdings nur, wenn wir menschliche Gehirne programmieren könnten. Der Node macht letztendlich nichts anderes, als daß er ein paar Vorgänge im Gehirn des Trägers koordiniert. Der Node selber wirkt dabei wie ein Katalysator. Durch seine Anwesenheit werden die Vorgänge ausgelöst, die letztendlich das Mentalnet bewirken.``

Der Bildschirm verfinsterte sich ein weiteres Mal. ,,Als das Bewußtsein des Mentalnets erkannte, wo seine Schwäche lag, fing es anscheinend an, einen Notfallplan zu entwickeln. Da die gesamte Kommunikation mit den anderen Nodes sowieso über Telepathie ging, mußten nur noch die Gehirne der Nodes auch ohne Implantat zum Senden stimuliert werden. Der andere Teil des Plans beschäftigte sich damit, freie Menschen zu übernehmen. Auch das ist nicht schwer, wie wir gesehen haben. Alles, was benötigt wird, ist der direkte Kontakt des Nodes zum freien Menschen. Er muß lediglich für wenige Sekunden eine seiner Hände am Kopf, bevorzugt an der Schläfe des freien Menschen halten, dann ist dieser übernommen.``

Xanatos holte tief Luft. ,,Nun ja, langer Rede, kurzer Sinn, ich fühle mich irgendwie schuldig, habe ich doch dem Doktor die Finanzen zur Verfügung gestellt. Wir sollten endlich losschlagen und die Menschheit retten.``

,,Die Menschheit ist mir egal! Soll sie doch zu Grunde gehen, wichtig ist mir nur, daß meine Tochter frei ist!``

,,Das ist mir klar, meine Liebe, aber ich begrüße es, daß dein Verstand dir sagt, daß es nur mit vereinten Kräften geht.``

,,Ja, aber ich werde langsam ungeduldig, wo bleibt Fuchs?``

,,In der Tat, ist ist beunruhigend lange draußen.`` Er ging zu seinem Schreibtisch, drückte eine Taste. ,,Owen?``

,,Ja, Mr Xanatos?`` erklang es.

,,Hat sich meine Frau schon zurückgemeldet?``

,,Bislang noch nicht, ich ...Einen Moment bitte, ich glaube, das ist sie. Soll sie gleich zu ihnen kommen?``

,,Ja, das wäre schön, richten sie ihr das bitte aus.``

 

Kurze Zeit darauf öffnete sich die Bürotür, Fuchs trat ein. Sie fing sofort an zu reden.

,,Es wird dort draußen immer schlimmer.`` Sie entfernte einen kleinen Bügel, der hinter ihrem rechten Ohr geklemmt hatte. ,,Trotz des Störsenders scheinen sie jetzt zu wissen, oder zumindest zu ahnen, wer noch nicht übernommen wurde. Wir müssen uns etwas Neues ausdenken, wenn wir wieder raus müssen.``

,,Warst Du in Gefahr?``

,,Naja, sagen wir mal, ich bin hier.``

,,War dein Ausflug wenigstens von Erfolg gekrönt?``

,,Ja, das kann man so sagen, aber laß mich dich in die Arme nehmen, ich möchte dir nahe sein.``

Xanatos, dem solche Liebesbezeugungen vor anderen peinlich waren, entsprach dann doch ihrem Wunsch, denn seine Liebe zu ihr war stärker. Er ging zu ihr, umarmte sie. Fuchs nahm ihre Hände, legte sie auf seine Schultern und schaute ihn verliebt an. ,,Wir werden ganz nah beieinander sein, so nah wie wir noch nie waren.``

Mit diesem Worten nahm sie ihre Handflächen und legte sie an Xanatos Schläfen. Das Unverständnis in seinen Augen war nur von kurzer Dauer. Zuerst wirkte sein Blick abwesend, dann war er wieder fest aber irgendwie verwandelt.

Die beiden ließen voneinander los, drehten sich zu Demona um. ,,Das Mentalnet ist die Zukunft!``

,,Verflucht!`` schrie Demona laut auf.

Siegessicher näherten sich ihr die beiden. Es waren nur Menschen, redete sie sich ein, die kannst du leicht beiseite wischen. Andererseits war sie sich nicht sicher, ob nicht doch eine kurze Berührung irgendwo an ihrem Körper reichen würde, um sie auch zu einem Node werden zu lassen.

Xanatos und Fuchs kamen näher. Die einzige Tür lag in ihrem Rücken, sie mußte an ihnen vorbei, um zu entkommen. Hinter ihr war nur das Fenster - Das Fenster! Hoffentlich ist es nicht zu stark gepanzert.

Sie drehte sich um und stieß sich ab, mitten hinein in die große Fensterfront.

Mit einem lauten Klirren zerplatzte die Scheibe in tausende Teile. Sie taumelte viele dutzend Meter in die Tiefe, dann hatte sie ihren Sturz abgefangen.

 

Demona flog ziellos über die Stadt. Die Gedanken schwirrten in ihrem Kopf herum, wo sollte sie jetzt hinfliehen? Es hat weniger als einen Monat gedauert, die komplette Menschheit zu übernehmen, dies war nach ihrer Ansicht ein weiterer Beweis dafür, daß die Menschheit zu schwach war und ihre Ausrottung verdiente.

Aber das war jetzt kein Thema für sie. Viel wichtiger war es, wo sie den Tag verbringen konnte. Ihre eigene Firma konnte sie nicht mehr besuchen. Als Mensch war sie zu angreifbar, sie mußte sich irgendwo verstecken, irgendwo, wo kein Mensch hinkam.

 

Ein Blitz! Kampfgeräusche! Wo?

Dort, zwischen den Häuserschluchten. Sicherlich irgendwelche Menschen, die ihre jämmerliche Existenz beschützen wollen Dann stiegen drei Schatten auf in die Nacht, die Blitze hatten bei ihnen den Ursprung. Der Mutantenclan! Demona entschloß sich, ihnen vorsichtig zu folgen.

Der Flug schien über die halbe Stadt zu gehen, dann endlich landeten sie. Demona landete auf einem Dach in der Nähe und sah, wie die drei Mutanten einen Haufen Gerümpel beiseite schoben und dann darin verschwanden. Sie wartete einige Augenblicke, dann sprang sie vom Dach und landete beim Geheimeingang, den sie hier zu Recht vermutete.

Demona schob eine große Kiste vorsichtig zur Seite, dahinter entdeckte sie einen Gang. Sie legte ihre Flügel eng um ihren Körper und schlüpfte hindurch. Sie zog die Kiste wieder vor den Eingang, damit er nicht aus Versehen von einem Node entdeckt werden konnte.

 

Nach wenigen Schritten kam sie an eine Treppe, die hinab führte. Sie spürte die Treppe mehr als sie sie sah, so dunkel war es hier. Sie schlich, Schritt für Schritt, langsam und vorsichtig die Treppe hinunter. Unten angekommen, versuchte sie sich zu orientieren.

Vor ihr führte ein Gang in die Tiefe, genauso wie links und rechts. Wo sollte sie hingehen?

,,Was tue ich hier eigentlich?``, fragte sie sich.

,,Das will ich auch wissen!``

Demona schreckte hoch, aber in dem Moment in dem sie Klaue im Schein des Blitzes erkannte, wurde sie an der Schulter getroffen. Schmerzhaft wurde sie nach hinten gerissen und landete hart auf den Stufen.

Sie wollte aufstehen, sah aber in diesem Moment, daß die anderen beiden, Maggie und Pranke, ebenfalls erschienen waren. Nicht daß sie Angst um ihr Leben gehabt hätte, das wäre töricht gewesen, schließlich war sie unsterblich, aber die Schmerzen spürte sie und das reichte ihr.

Außerdem, vielleicht war jetzt nicht die Zeit für Konfrontationen. In ihr reifte ein Gedanke, einer, der ihr gar nicht gefiel, aber andererseits ...

,,Wartet!``, rief sie. ,,Ich ...vielleicht ...ich meine ...``

,,Steh' erstmal auf, vielleicht findest du dann die Worte wieder.`` Klaue musterte sie vorsichtig, ihr schien es fast als ob er schon ahnte, was sie sagen wollte.

Langsam hatten sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt.

,,Folge mir``, bat sie Klaue und ging voran durch den Tunnel der geradeaus führte.

Maggie und Pranke gingen hinter ihr und sie war sich sicher, daß sie sofort reagieren würden, wenn sie nur eine falsche Bewegung machen würde.

Ich kann nicht, sie sind auch nur Menschen, die Menschen sind an dem Ganzen Schuld.

Klaue ging weiterhin vor ihr her.

Andererseits ...Vielleicht war doch die Zeit gekommen?

Klaue bog um eine Ecke, dann waren sie anscheinend angekommen. Es war ein alter U-Bahnhof. Auf der anderen Seite der Halle sah sie verrottete Gleise, die links und rechts in die Tiefe führten. Auf der linken Seite des Bahnsteigs befanden sich einige alte Sofas und Matratzen, zu ihrer Rechten stapelten sich Holzkisten, die anscheinend recht neu waren.

Klaue drehte sich um, schaute sie fordernd an. ,,Was möchtest du von uns?``

,,Xanatos wurde vorhin übernommen, ich konnte gerade noch flüchten.``

,,Er hat es so lange geschafft? Meine Bewunderung. Was hast du bei ihm gemacht?``

,,Er meinte, er wüßte einen Weg, wie die Menschheit zu retten wäre.``

Unverständnis auf seinem Gesicht. ,,Du willst die Menschheit retten?``

,,Die Menschheit kann mir gestohlen bleiben. Ich will meine Tochter retten!``

,,Wir haben ein ähnliches Ziel. Ich muß immer an Elisa denken.``

Demona schnaubte abfällig, dann wurde ihr Blick traurig. ,,Ich habe eine Aufzeichnung gesehen, ich habe gesehen, wie sie meine Tochter übernommen haben, ich sah ihren Blick, so leer. Wir müssen etwas unternehmen!``

Klaue strahlte sie an. ,,Ist dir klar, daß du gerade 'wir' gesagt hast? Ich denke auch, daß wir gemeinsam eine bessere Chance haben.``

,,Bilde dir nichts ein, Mensch. Wenn das alles beendet ist, ist alles wieder wie vorher!``

Er senkte traurig den Kopf. ,,Es kann niemals mehr wie vorher sein.`` Er schwieg einen Moment. ,,Bitte setz' hin, wir haben eine Menge zu besprechen.``

Sie nahmen auf den Matratzen Platz. Demona auf der einen Seite, Maggie und Klaue auf der anderen Seite. Pranke blieb stehen und musterte sie weiterhin mit seinem traurigen Blick.

 

Sie tauschten gegenseitig Informationen aus. Nun, eigentlich sprach Demona fast die gesamte Zeit.

Xanatos hatte, bedingt durch seine Stellung und seine Möglichkeiten erheblich mehr Informationen sammeln können. Vieles, was Demona erzählte, bestätigte, was sie schon vermutet hatten. Anderes war ihnen neu.

Klaue erzählte, wie sie die Situation erlebt hatten. Sie hatten mitbekommen, wie die Menschen sich nach den Implantationen verändert hatten, Elisa hatte davon berichtet. Sie hatten nie viel Kontakt zu den Menschen, eigentlich waren es nur die Obdachlosen, die sie bei sich aufgenommen hatten.

Durch Zufall bekam Maggie auf einer ihren nächtlichen Streifzüge mit, wie freie Menschen von den Nodes übernommen wurden. Sie floh aufgeregt zurück zu den anderen und berichtete es. Wenig später mußten sie flüchten, weil Horden von Nodes ihre Unterkunft stürmten.

In diesem stillgelegten U-Bahnhof hatten sie einen neuen Unterschlupf gefunden. Sie fingen an, vorsichtig herauszufinden was denn überhaupt geschehen war.

,,Ich weiß nicht, wie wir den ganzen Wahnsinn stoppen können. Hat dir Xanatos nicht gesagt, wie er die Welt retten wollte?``

,,Leider nicht. Er hat Andeutungen gemacht, mehr nicht. Er meinte, ich sei für seinen Plan wichtig, weil ich mit Zauberkräften umgehen könne. Ich vermute, er hatte, wie auch bei der Erschaffung Coldstones vor, Magie mit Technik zu verbinden. Nur in welcher Weise ist mir schleierhaft.``

Nach einer Pause fügte sie hinzu: ,,Ich muß zurück!``

,,Wieso?``

,,Ganz einfach. Xanatos hat die Unterlagen, da bin ich mir ganz sicher. Ich traue ihm soweit, daß ich denke, daß sein Plan, wie er auch immer aussehen wird, funktionieren kann.``

,,Gut, dann werden wir morgen Nacht, gleich nach Sonnenuntergang aufbrechen.``

,,Nein, jetzt! Und ich werde alleine losfliegen!``

,,Bald ist Sonnenaufgang. Wenn heute noch etwas geschehen soll, dann sind wir es, die es tun müssen!``

,,Ich kenne mich in der Burg am besten aus, schließlich war sie lange Jahre über meine Heimat, ich muß es tun. Außerdem muß ich es heute tun, wer weiß, ob sie nicht schon morgen die Unterlagen vernichtet haben. Und ich muß es alleine tun. Zu viert würden wir zu stark auffallen.``

,,Sie könnten jetzt schon vernichtet sein``, warf Maggie ein, die ansonsten gebannt gelauscht hatte.

,,Das weiß ich auch! Aber das Risiko müssen wir eingehen, es geht nicht anders!``

,,Dann``, warf Klaue ein, während er zu einem der Kisten ging und etwas hervolholte, ,,dann nimm das hier mit. Es ist eine Minikamera mit Mikrofon und Ohrhörer. Du kannst den Bügel hinter das Ohr klemmen, dann sitzt sie fest.``

,,Und wieso sollte ich das tun?``

,,Arbeiten wir zusammen, oder nicht?``

,,Was hat das damit zu tun?``

,,Ich will ehrlich zu dir sein. Ich will sichergehen, daß du nicht dort übernommen wirst. Wenn wir dich die gesamte Zeit über begleiten, und wenn es auch nur per Video ist, können wir sicher sein, ansonsten ...``

Demona wirkte auf Klaue, als ob sie sich gerade nicht sicher war, ob sie ihn zerfleischen oder seinem Wunsch nachgehen wollte. Es war gefährlich, Demona zu reizen, aber es mußte sein.

Sie holte tief Luft. ,,Ich werde nicht übernommen! Aber damit du Ruhe gibst, setze ich das Teil auf.``

Klaue setzte zu einem Lächeln an, das bedingt durch sein Raubtiergesicht etwas martialisch aussah, ein Effekt, der ihm in diesem Moment gefiel. ,,Danke!``

 

Das Kamerabild zitterte stark, als Demona sich der Burg näherte, aber die Übertragung war stabil.

,,Seht ihr die zersplitterte Fensterfront? Da fliege ich jetzt rein und hole mir die Unterlagen, ich bin mir ziemlich sicher, daß das die Blätter waren, die auf seinem Schreibtisch lagen.``

,,Bitte sei vorsichtig!``, entfuhr es Maggie. Seltsam, dachte sie, wie Katastrophen aus Feinden Freunde oder wenigstens Verbündete machen konnten.

,,Keine Angst. Wie sagt ihr Menschen immer so schön? 'Das wird ein Kinderspiel' Ich werde nur kurz reinfliegen, die Papiere holen und bin wieder draussen.``

Demona durchflog in diesem Moment die Fensterfront und setzte vor dem Schreibtisch zur Landung an.

Tatsächlich, da waren Papiere auf dem Schreibtisch. Sie betrachtete sie näher, 'Projekt Magievirus' stand drauf. Es war genau das, was sie suchten!

Ein Beben erschütterte den Raum. Demona drehte sich schlagartig zur Fensterfront um, die nun von einer Metallwand verdeckt wurde.

,,Verdammt!``

Sie griff sich die Papiere, lief zur Tür, die sich in diesem Moment öffnete.

Goliath, Hudson, Brooklyn, Lexington, Broadway und, wie sie mit einem Schlucken feststellte, auch Angela, kamen langsam und mit einem gleichgültigen Blick herein.

Sie versperrten den Ausgang, gegen soviele Gargoyles würde sie nie ankommen.

,,Komm, schließ' dich uns an, du wirst nie mehr alleine sein``, sprachen sie im Chor.

,,Nein!``

Sie drehte sich um. Es gab immer noch den Geheimausgang rechts neben der Fensterfront.

Die Tür ließ sich öffnen, sie schlüpfte hindurch - und war in der Falle. Eine massive Steinmauer war dort, wo früher der Gang war.

Nun versuchte der Clan, die Tür aufzubrechen. Demona stemmte sich mit dem Rücken dagegen.

,,Ich werde es nicht mehr schaffen, aber bringt die Arbeit zu einem Ende! Rettet meine Tochter!``, rief sie. ,,Ich halte euch jetzt die Dokumente vor die Kamera, ich hoffe, sie werden euch helfen!``

Während die Tür in ihrem Rücken erbebte, führte sie die einzelnen Blätter vor die Kamera und fuhr sie sorgfältig ab. Es waren nur vier Blätter. Als sie das letzte Blatt übertragen hatte, wurde es auf einmal still hinter ihr.

Ein Schmerz durchdrang sie, ein lauter Schrei entglitt ihrer Kehle. Dann war es vorbei. Sie nahm die Kamera, die ihr während ihrer Verwandlung in einen Menschen heruntergefallen war, und klemmte sie hinter ein Ohr.

,,Manchmal bin ich Puck für sein Geschenk richtig dankbar``, meinte sie schmunzelnd. ,,Ich werde jetzt rausgehen, der Clan ist ja versteinert.``

,,Bitte sei vorsichtig, es könnten Menschen in der Nähe sein!`` Klaue war wirklich um sie besorgt.

,,Keine Angst, wenn ich das bis jetzt überstanden habe ...``

Sie öffnete vorsichtig die Tür und sah nur Steinstatuen, die die Tür umringten. Sie mußte zwischen den Beinen von Goliath durchkriechen, damit sie herauskam.

Klaue, Pranke und Maggie standen gebannt vor dem Bildschirm und verfolgten jede ihrer Bewegungen.

,,Das Mentalnet ist die Zukunft!`` Die Kamera flog zu Boden, blieb nach oben gerichtet liegen.

Elisa hatte sich hinter den Statuen versteckt gehabt, und hielt nun ihre Hände an Demona's Schläfen.

Demona sackte kurz zusammen, richtete sich wieder auf und wiederholte monoton: ,,Das Mentalnet ist die Zukunft.`` In diesem Moment trat Elisa auf die Kamera, das Bild wurde schwarz.

  Stille. Nur für eine Sekunde. ,,Sofort hier raus!``, schrie Klaue.

,,Wieso?``, fragte Maggie verdutzt.

,,Demona weiß wo wir sind, deswegen weiß es jetzt auch das Mentalnet, deswegen wissen es alle Nodes und deswegen werden sie uns hier aufspüren und übernehmen wollen! Schade um die Ausrüstung, aber wir haben keine Zeit. Maggie, bitte nimm' du das Band mit der Aufzeichnung mit. So, und jetzt raus!``

Sie liefen zum Ausgang. Auf der Treppe nach draußen trafen sie die ersten beiden Nodes, die sie mit Blitzen aus ihren Händen in die Bewußtlosigkeit schickten. Kaum waren sie durch die Barriere durch, die den Eingang normalerweise schützte, trafen sie auf weitere Nodes. Bevor sie sie erreichten, breiteten die Mutanten ihre Schwingen aus und stiegen auf.

  ,,Was jetzt?``, fragte Maggie.

,,MacBeth! Er wird uns helfen!``

,,Wieso sollte er das? Und weshalb glaubst du, daß er das überhaupt kann?``

,,Elisa hat mir viel von ihm erzählt. MacBeth hat seine Unsterblichkeit durch einen Zauber erlangt, er selber hat damals Beschwörungsformeln angewendet, als er die Schriftrollen Merlins öffnete. Er hat keine Ausbildung in der Art, wie sie Demona erfahren hat, aber ich denke, daß er ihr durch seine Erfahrung nahezu ebenbürtig ist. Und wenn nicht, dann haben wir bei ihm sicherlich eine relativ sichere Bleibe.``

 

Ein Laserstrahl stoppte ihren Flug. Er kam von einem Geschütz, das auf einem der Türme von MacBeth's Burg angebracht war. Die Drei flogen einen Bogen und hielten sich außer Reichweite.

,,Ich denke, daß ist der Beweis, daß sie noch leben``, meinte Klaue. ,,Selbst wenn es ein automatisches Geschütz war, dann beweist es doch, daß sie noch nicht angegriffen wurden, ansonsten wäre es bestimmt zerstört.``

,,Und wie kommen wir jetzt zu ihm? Wir können ihn doch schlecht angreifen!``

,,Natürlich können wir das, wir wären vielleicht auch erfolgreich, aber es wäre falsch, Munition zu verschwenden, wir werden sie für den Gegenschlag brauchen. Ich denke, wir werden es auf die altmodische Methode versuchen.``

,,Und die wäre?``

,,Wir schicken einen Unterhändler mit einer weißen Flagge.``

 

Maggie zögerte etwas, dann gab sie sich einen Ruck. ,,Ich ...ich werde es machen.``

,,Es kann gefährlich werden, bist du dir sicher, das du dazu es machen möchtest?``

,,Sie werden mir eher glauben als dir, ich mache es.``

 

Pranke und Klaue sahen ihr hinterher, als sie, ein weißes Bettlaken schwenkend, auf die Burg zuflog. Die Geschütze schwiegen - noch.

Sie hatte die Burg fast erreicht. Ein Schuß!

Maggie erschrak, ließ das Tuch fallen, das von den Luftströmungen getragen, unruhig zu Boden trieb.

Sie stand in der Luft, wissend, daß der nächste Schuß sie treffen würde, daß sie auf diese Entfernung hin keine Chance hatte, zu entfliehen, der Schuß mußte sie treffen.

Moment! schoß es ihr durch den Kopf ich bin so nahe dran und bin so langsam geflogen, sie hätten mich schon beim ersten Schuß treffen müssen!

Wie um ihre Theorie zu bestätigen, sah sie jemanden, der auf einer der Türme stand. Die Person sah aus wie die Frau, die in MacBeth's Diensten stand. Genau konnte sie es nicht erkennen, die Person trug eine schwere Kampfrüstung und hielt eine große Waffe in den Händen. Mit dieser Waffe gestikulierte sie nun zu Maggie.

Sie verstand es als ein Zeichen, sich ihr zu nähern. Maggie flog ruhig näher und landete in sicherem Abstand.

Es war wirklich die Frau. Sie schulterte die Waffe und nahm ihren Helm ab und klemmte ihn unter den Arm.

,,Was machst du hier? Was willst du?`` mißtrauisch beäugte sie Maggie. ,,Wenn du dich wundern solltest, weshalb ich meine Waffe nicht im Anschlag habe - sieh' es als Zeichen der Diplomatie, außerdem bin ich nicht schutzlos, wirf' bitte einen Blick nach links.``

Maggie drehte ihren Kopf und sah eine andere Gestalt, die auf dem anderen Turm eine Waffe auf sie gerichtet hielt.

,,Er wird schießen, wenn du dich mir zu weit nähern solltest. Banquo und der Chef meinten beide, wir sollten euch nicht trauen, es wäre unmöglich, daß es jemand außerhalb dieser Mauern geschafft haben sollte, bis jetzt zu überleben, ich war da nicht so sicher, also, was willst du?`` Ihre Stimme klang hart, aber Maggie fand, daß da auch ein wenig Verzweiflung und ein kleines bißchen Hoffnung mitschwang, die Hoffnung, es könne sich jetzt doch noch alles zum Guten wenden.

,,Wir haben es bislang geschafft, wir haben uns in der Kanalisation versteckt, haben Waffen gesammelt, bis heute Nacht.``

Sie holte Luft ,,Heute Nacht kam Demona zu uns. Sie hatte einen Plan, wußte wie man gegen sie kämpfen könne, dann wurde auch sie übernommen und wir mußten fliehen.``

Fleance's Augen wurden kurz größer, dann hatte sie sich wieder unter Kontrolle. ,,Du kannst viel erzählen, wieso soll ich dir glauben?``

,,Weil ich es glaube.`` Von der Seite hatte sich - für beide unbemerkt - MacBeth genähert. ,,Als du und Banquo vor einiger Zeit an meiner Tür gestanden habt, hätte ich euch auch mißtrauen können. Woher sollte ich wissen, daß ihr es ehrlich meintet mit eurer Reue? Außerdem``, mit diesen Worte holte er einen kleinen Kasten aus seiner Tasche, ,,außerdem habe ich einen Scan gemacht, ihre Hirnwellen sind sauber.``

,,Was ist das für ein Gerät?``, wollte Maggie wissen.

,,Das menschliche Gehirn sendet ständig Wellen aus. Wird es übernommen, verändert sich die Art der Wellen, deswegen kann ich sehen, daß du normal bist.``

,,Ich bin kein Mensch!``, antwortete sie heftig und fügte traurig hinzu: ,,nicht mehr.``

,,Ja, aber nur äußerlich. Sevarius hat euch bei eurer Verwandlung auch nur äußerlich modifiziert, ich bin mir sicher, du bist nicht übernommen. Aber jetzt verrate mir bitte, was das für ein Plan ist, mit dem ihr einen Ausweg schaffen wollt.``

,,Das kann Derek viel besser. Darf ich die beiden herholen?``

 

MacBeth war einverstanden und wenig später standen er, Maggie, Klaue und Pranke zusammen auf dem Innenhof der Burg. Fleance und Banquo standen Wache auf den Türmen.

Pranke hatte MacBeth das Video gegeben und erzählt, was in den letzten Stunden alles passiert war.

,,Gut, ich vermute, ich weiß sogar, wie Xanatos vorgehen wollte, aber ich schaue mir das Video trotzdem genau an.``

Mit diesen Worten drehte er sich um und ging den Turm hinunter. Die drei Mutanten folgten ihm.

Die Wendeltreppe führte in einen langen Gang. MacBeth ging an allen Türen vorbei, die sich zur linken und rechten befanden. Der Gang endete schließlich in einem großen Raum, an dessen Wänden Teppiche und Waffen hingen. In der Mitte des Raums stand ein einzelner Sessel. MacBeth ging zu einer holzverkleideten Wand, öffnete einen Teil der Verkleidung und steckte die Kassette in die Öffnung.

Er holte eine große Fernbedienung aus der Wandöffnung hervor und nahm im Sessel Platz.

Das Licht wurde dunkler, gleichzeitig senkte sich eine Leinwand aus der Decke herunter. Das Video startete.

MacBeth erlebte die letzten Minuten von Demona's Freiheit. Als das Bild erlosch, sah man, daß es ihn mitgenommen hatte. ,,Nein, meine Feindin, dieses Ende hätte ich selbst dir nicht gewünscht``, murmelte er.

Dann spulte er zu der Stelle zurück, an der Demona die Dokumente in die Kamera zeigte. Während die Stelle in Zeitlupe angespielt wurde, machte er einen Ausdruck nach dem anderen, den er anschließend aus dem Videoprinter im Schrank holte.

MacBeth schaltete das Licht wieder an und betrachtete die Ausdrucke. ,,Ja, genau das habe ich mir gedacht. Xanatos, du bist, nein, du warst ein schlauer Fuchs.``

Zu den anderen gewandt sprach er weiter. ,,Wir haben Glück. Gestern Nacht war Fuchs bei mir. Sie bat um ein Artefakt, das ich im Moment wegen ein paar Studien bei mir aufbewahre. Laut den Unterlagen, die Xanatos erstellt hat, können wir mit Hilfe dieses Artefakts den Menschen helfen.``

Er nahm den nächsten Zettel, las ihn durch. ,,Wir müssen einen Zauberspruch, unterstützt durch das Artefakt so wirksam werden lassen, daß alle Nodes davon erfaßt werden. Dies soll nach Xanatos' Meinung am alten Steuerrechner möglich sein. Dieser Rechner wird dafür sorgen, den Zauber von Node zu Node zu tragen.``

,,Und was macht der Zauber, heilt er die Menschen?``, wollte Maggie wissen.

,,Nicht direkt. Der Zauber bewirkt lediglich, daß die Nodes für einen Moment erstarren. Diesen Moment müssen wir dann nutzen, um im Zentralcomputer ein Programm zu starten, das das Mentalnet tatsächlich deaktivieren wird. Die Erstarrung wird dafür sorgen, daß das Mentalnet keine Gegenmaßnahmen ergreifen kann. Leider wird der Zauber nur wenige Sekunden anhalten und ist danach wirkungslos, wir müssen also beim ersten Versuch erfolgreich sein.``

,,Wann schlagen wir los?``, fragte Klaue.

,,Nicht so ungeduldig. Wir sollten für den Kampf ausgeruht sein. Deswegen schlage ich vor, daß wir gegen Mitternacht aufbrechen werden. In der Zwischenzeit aber sollten wir entspannen, am besten wäre Schlaf.``

 

Es war Mitternacht, als die sechs aufbrachen. Um kein Aufsehen zu erregen, flogen MacBeth und seine Gehilfen nicht mit seinem Fluggerät, sondern ließen sich von den Mutanten tragen. Klaue trug MacBeth, Maggie hatte Fleance in den Armen und Pranke transportierte Banquo.

Die Menschen hatten Laserwaffen dabei, die Mutanten verließen sich auf ihre Fähigkeit, Blitze zu schießen. MacBeth trug zusätzlich einen Rucksack, in dem sich das Artefakt befand, ein glänzend schwarzer Marmorstein. Das Pergament mit dem Zauberspruch steckte in einer schützenden Papprolle, die sich ebenfalls im Rucksack befand.  

,,Bis jetzt ging doch alles leicht``, meinte Maggie, als sie über dem Labor ankamen.

,,Glaub' mal nicht, daß der Rest auch so leicht gehen wird, Schätzchen``, meinte Fleance, der es langsam unbequem wurde.

Wie um das zu bestätigen, schoß ein Laserstrahl von unten hinauf.

,,Wir machen weiter, wie besprochen``, schrie MacBeth, als sie den Schüssen auswichen, die jetzt alle paar Sekunden den Himmel erhellten. ,,Maggie, du und Pranke, ihr sorgt für die Aussenverteidigung, hier könnt ihr eure Geschwindigkeit am besten ausnutzen. Fleance und Banquo, ihr sichert die Gänge, während Klaue und ich zum Computer vordringen.``

Pranke und Maggie setzten ihre beiden Fluggäste vor dem Eingang ab und stiegen sofort wieder auf. MacBeth rief ihnen hinterher: ,,Wenn wir heute versagen, ist die Menschheit am Ende, gebt euer Bestes, gebt alles!``

Fleance und Banquo sicherten nach hinten ab, als sie das Gebäude betraten. MacBeth ermahnte sie: ,,Denkt daran, keine tödlichen Schüsse! Sie sind für ihre Tagen nicht verantwortlich!``

MacBeth meinte, ein unzufriedenes Murmeln zu hören, dazu paßte auch das etwas gestreckte ,,Jawoll``.

Die Seitentür flog auf, zwei Nodes, ein Mann und eine Frau, sprangen in den Flur. MacBeth hatte seine Waffe nicht schnell genug im Anschlag, der Mann war einen einzigen Meter entfernt, streckte seine Hände aus, dann brach er, getroffen von Klaues Blitzen zusammen.

Fast zeitgleich brach die Frau ebenfalls zusammen, Fleance hatte sie erwischt.

Nach wenigen Metern das gleiche Spiel, wieder flog eine Tür auf, aber diesmal war MacBeth bereit, die Angreifer hatten keine Chance.

 

Die Laserstrahlen umsäumten sie, es war ein Wunder, wie Maggie meinte, daß sie noch nicht getroffen war. Immer wieder flog sie ihre Schleifen, machte Sturzflüge und flog Loopings, um den Schüssen zu entkommen. Währenddessen feuerte sie in Menge der Menschen, die jetzt sicherlich schon fast auf ein halbes Hundert angewachsen war. Zum Glück für sie waren nur wenige bewaffnet.

Immer wieder schoß sie auf jeden, der versuchte, zum Eingang zu kommen. Pranke hatte sie um das Gebäude geschickt, damit niemand über Nebeneingänge oder Fenster in das Labor kommen konnte.

 

Fleance und Banquo standen im Flur mit dem Rücken zum Laboreingang. MacBeth und Klaue waren alleine weitergegangen. Laut dem Plan, den sie vom Gebäude hatten, war dies der einzige Eingang.

,,Noch war das ja ein Kinderspiel``, meinte Banquo, als er mit dem Gewehr wieder zwei Nodes abwehrte.

,,Freu' dich nicht zu früh.``

Wie um das zu bestätigen, brach ein Node durch die Decke und brachte Fleance durch den bloßen Schwung zu Fall. Ein Schlag mit Banquo's Gewehrkolben entschärfte die Situation für den Moment.

 

Der war knapp vorbei, dachte sich Maggie. Sie wurden mehr, jetzt schon fast hundert. Lange konnte sie sich nicht mehr halten, früher oder später mußte sie oder Pranke getroffen werden. Noch war das nicht der Fall, auch Pranke konnte sich noch behaupten, wie sie an den Blitzen feststellen konnte, die auch an anderen Stellen den Himmel erhellten.

 

,,Vorsicht!``, schrie Klaue und konnte gerade noch den Node in die Ecke schleudern. Er hatte ihnen hinter einem Labortisch aufgelauert.

Dann hatten sie den Rechner erreicht, er war ausgeschaltet. MacBeth aktivierte ihn, ein Bestätigungston erklang, das Display hellte sich auf, ein Fortschrittsbalken erschien.

Ein Blitz. MacBeth wirbelte um seine Achse, kurz hinter ihm lag, von Klaues Kräften gefällt, eine junge Frau.

Die Passwortabfrage.

 

,,Pranke, hau' ab, ich komme hier vorne alleine zurecht!', schrie Maggie ihm zu. Er hatte sich ihr genähert, Erschrecken lag in seinen Augen.

Was hat...Weiter kam sie nicht. Wie von einer Dampframme getroffen, stürzte sie zu Boden. Während des Falls konnte sie noch erkennen, was sie getroffen hatte, es war Demona. Das war das Letzte, was sie dachte, als sie die Kontrolle über sich verlor.

 

,,Können wir jetzt endlich den Zauber wirken lassen?``, rief Klaue zwischen zwei Schüssen.

,,Einen Moment noch, erst muß das Kontrollprogramm geladen sein.

 

,,Banquo, über d...`` Weiter kam Fleance nicht. Sie wußte nicht, von wo der Node gekommen war, sie spürte nur noch die eisigen Hände an ihren Schläfen.

 

Die Eingangstür zerbarst in tausende Splitter. Banquo sah, wie sich ein blauer Schatten wie der Blitz näherte. Bevor er seine Waffe im Anschlag hatte, hatte Demona ihn erreicht. Bevor er ausweichen konnte, war er übernommen.

 

MacBeth hielt den rechteckigen Stein in der Linken, mit der Rechten hielt er die Schriftrolle ,,Omnes qui audiunt ...``

Die Tür flog auf, MacBeth spürte ein Kribbeln im Kopf, er drehte sich um. Demona! Er konzentrierte sich auf die Schrift, versuchte weiterzusprechen. ,,...trans...transferantur ad statum rev...``

Wieso tat er das? Das Mentalnet war sein Freund? Ein elektrischer Schlag, ausgeteilt von Klaue brachte ihn wieder zur Besinnung.

,,...reversum per unum ...`` Klaue brach, getroffen durch Maggies Blitz zusammen. MacBeth schrie die letzten Worte in Qualen heraus, er spürte, wie er durch die geistige Brücke zu Demona langsam übernommen wurde, ,,...momentum concretum!``

Frieden, Ruhe. Fast vergaß er, weswegen er hier war, so friedlich war der Moment. Doch wenige Herzschläge später erinnerte er sich an seinen Auftrag. Er startete den Befehl zur Deaktivierung.

Nun würde sich zeigen, ob der Zauber gewirkt hatte, ob das Mentalnet durch den Zauber so blockiert war, daß es nicht reagieren konnte, daß es den Befehl zum Ausschalten nicht kontern konnte.

Die ersten Körper zuckten, Demona schlug die Augen auf. Sie stand auf, Unverständnis lag in ihrem Blick.

,,Was ...was ist los?`` Sie bemerkte MacBeth und Klaue, der ebenfalls langsam aufwachte. Sie nahm ihn zwischen die Hände, half ihm bei Aufstehen. ,,Hat es ...hat es gewirkt?``

MacBeth antwortete für Klaue, der noch zu benommen war. ,,Ja Demona, ich denke, diesmal haben wir das Böse besiegt.``

Langsam kamen auch die Menschen wieder zu Bewußtsein. Maggie kam sofort an Klaues Seite, um ihn zu stützen. ,,Es tut mir leid, daß ich dich getroffen habe.``

,,Das warst nicht du, der auf mich geschossen hat, es war das Netz``, flüsterte Klaue.

,,Auch mir tut es leid.``

Wie vom Blitz getroffen, drehten sich alle zu Demona um.

,,Was hast du gesagt?``, fragte MacBeth ungläubig.

,,Ihr habt richtig gehört. Mir tut es leid. Nicht die Sache, daß ich Maggie übernommen habe, das war das Netz, nein. Das Netz gibt es nicht mehr, aber ich kann mich immer noch erinnern, wie es war. Ich spüre noch immer ihre Empfindungen, spüre das Leid, den Haß, aber auch die Freude. Ich fühle mich schuldig für das, was ich den Menschen angetan habe.``

Sprachlos starrte MacBeth sie an.

,,Ich muß mir über meine Gefühle klar werden, dafür brauche ich Ruhe, aber ich denke, wir werden uns wiedersehen - in Frieden.`` Mit diesen Worten drehte sie sich um und verließ den Raum.



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