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Unterabschnitte

Aufbau

23.04.00

Jasmin. Ich glaube, sie wird mich noch in den Wahnsinn treiben, wenn wir sie nicht bald zurückschicken. Zur Erklärung: Sie ist die vierzehnjährige Nichte unseres guten Küchengeistes Janou.

Ein paar Tage vor dem Abflug hatte Janou einen Anruf von Jasmin erhalten. Ihre Eltern hatten sich wieder einmal gestritten, die Mutter war zu einer Freundin gefahren, der Vater auch, und sie war alleine.

Janou hatte mich gefragt, ob Jasmin hier ein paar Tage wohnen dürfe, bis sich die Situation entspannt hatte. Ich hatte leichtsinnigerweise zugesagt. Leichtsinnigerweise, denn da kannte ich sie noch nicht.

Nachdem ich sie jetzt schon über einen Monat ertragen muß, ist mein Entschluß noch stärker gewachsen, keine Kinder zu zeugen. Janou bemüht sich zwar, sie zu beschäftigen, aber Jasmin sieht ihre Aufgabe eher darin, immer dort zu sein, wo sie gerade am meisten stört. Einmal lungert sie auf Kisten herum, die wir gerade abtransportieren wollten, ein anderes Mal meint sie, daß sie einen mit unsinnigen Fragen löchern müßte.

Wenn man ihr dann eine Aufgabe gibt, die sie sogar begeistert annimmt, dann wird sie spätestens fünf Minuten danach keine Lust mehr dazu haben, andererseits jedoch beschwert sie sich, daß sie ja nichts zu tun hätte - Göre!

 

Als wir im Schloß unsere Sachen für die Flucht packten, konnten wir sie nicht zurücklassen, zumindest hatte Janou uns das eingeredet. Sie meinte, das wäre unmenschlich, sie alleine zu lassen. Sie hatte noch viele andere Argumente, die ich gar nicht richtig aufgenommen hatte, da mir zu dem Zeitpunkt ganz andere Probleme durch den Kopf schwirrten - also nahmen wir sie mit.

Jetzt haben wir natürlich das Problem, daß uns sicherlich eine Klage wegen Kindesentführung anhängig ist. Peter und Nicole werden in den nächsten Tagen den Rückflug antreten, um unsere Versorgungsprobleme zu lösen. Auf diesem Flug werden sie Jasmin mitnehmen. Die beiden hoffen, daß sie sie dann irgendwie zu ihren Eltern bringen können, die dann hoffentlich die Klage fallen lassen. Nicht daß wir noch einmal vorhätten zur Erde zurückzukehren, aber ich könnte es nicht mit mir vereinbaren, als Entführer zu gelten.

 

Jetzt aber zu anderen Themen. Wir haben heute Freitag, den 3. Oktober 2042 und gleichzeitig den 23.04.00. Als wir uns dem System näherten, hatten Tabata und Thomas alle notwendigen Daten gesammelt, um zu wissen, in welcher Zeit sich Davos um seine Sonne dreht, wie lange ein Tag dauert, und vieles andere, was Astrologen so interessiert.

Wir haben uns auf einen Kalender einigen können. Wir wollen den Tag, der nach Erdrechnung 22,6 Stunden dauert, in zehn Stunden einteilen. Jede Stunde hate einhundert Minuten, jede Minute einhundert Sekunden. Es wird eine Umstellung bedeuten, wird aber diesem archaischen System der Erde überlegen sein. Die Sekunden sind etwas kürzer als die Erdsekunden (100.000 Sekunden pro Tag statt 86.400 Sekunden), die Stunden dafür erheblich länger.

Wir teilen das Jahr in zehn Monate, geben ihnen aber keine Namen, wieso denn auch? Auch das Konzept der Wochen streichen wir einfach weg. Erholungstage wollen wir bei Bedarf nehmen und uns nicht in ein festes Schema pressen lassen. Durch die Drehung Davos begründet, hat jeder Monat dann 39  Tage, zudem müssen wir alle 6 Jahre einen Schalttag einbauen, da haben wir uns auf den letzten Tag des ersten Monats geeinigt.

Das Jahr soll am kürzesten Tag der Südhalbkugel anfangen, auf der wir uns befinden. Sobald wir genügend Strom für unsere Computer haben, will sich Ludi damit befassen, das neue Datumsprinzip diesen Kisten beizubringen.


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