Anmerkungen und Tips zum Geschichtenschreiben

Nachfolgend habe ich einige Regeln aufgestellt, anhand derer es vielleicht leichter fällt, Standardfehler zu vermeiden, und so bessere Geschichten zu schreiben. Die Hinweise sind zum Teil meiner (geringen) Erfahrung entnommen, zum anderen aus der Kritik Anderer an meinen Geschichten, zum großen Teil stammen sie allerdings aus dem Buch 'Grundlagen und Techniken der Schreibkunst', ISBN: 3-930656-16-7.

Natürlich ist alles, was ich im folgenden beschreibe, nur als Hinweis gedacht. Andere mögen anderer Meinung sein, das ist ihr gutes Recht, und fördert so auch die Vielfältigkeit der Schreibkunst. Wenn jemand anderer Meinung sein sollte, soll er sie mir mitteilen. Ergänzungen, Kritik und Korrekturen werden jederzeit mit Freude entgegengenommen.

  • Keine Schablonensätze wie "Ich liebe dich".
  • Keine Allgemeinheiten, Beschreibungen mit Aktionen verbinden.
    • Falsch: "Unten sah man eine kurvige Straße, an der Bäumen standen."
    • Besser: "Die Straße schlängelte sich an den weißblühenden Apfelbäumen entlang."
  • Alle Sinne nachbilden, nicht nur Geräusch und Bild, auch z.B. Geruch und Geschmack.
  • Auch unnütze Informationen sollten mitgeteilt werden, wenn sie zur Stimmung beitragen.
    • Falsch: "Sie saßen am Feuer und unterhielten sich."
    • Besser: "Das Feuer loderte und prasselte. Eine einzelne Kastanie, die sich in den Holzscheit verirrt hatte, platzte mit einem lauten Knall. Die Gruppe betrachtete andächtig die Flammen während sie sich unterhielten."
  • In Bewegung bleiben. Soll' nicht gerade die Spannung aus der Story herausgenommen werden, sollte eine Aktion der nächsten folgen. Beschreibungen können in Aktionen eingebettet werden.
    • Falsch: "Er trug eine Brille."
    • Besser: "Er sah über seine Brillenränder in die Ferne."
  • Ruhe kann mit den "substantivischen Stil" dargestellt werden, z.B. "Er hielt eine Rede". Dies hemmt den Ablauf.
  • Bewegung wird mit dem "verbalen Stil" dargestellt, z.B. "Er redete". Dies sorgt für einen Fluß.
  • Ein Gespräch soll nicht so klingen "wie im Leben", sondern es soll nur "den Schein des Wirklichen" haben. Umgangssprache ist die Sprache deiner Umgebung. Diese Umgebung gilt aber nicht unbedingt für den Leser, kann also fremd wirken, wo das Gegenteil gedacht war. Außerdem soll ja in wenigen Zeilen dem Leser die Information überbracht werden, die in einem normalen Gespräch viel mehr Zeit bräuchte. (Langes Labern ohne Sinn macht am Telefon Spaß, besonders, wenn der andere angerufen hat, im Roman wird es schnell langweilig)
  • Lange Reden einzelner Personen sollten vermieden werden, das ist genauso langweilig und wirkt dann eher wie eine Predigt.
  • Die Redeweisen der einzelnen Personen sollte sich nicht zu stark voneinander unterscheiden, auch wenn sie unterschiedlicher Herkunft sein sollten. Weniger ist hier mehr. Denn eine Geschichte wird ja quasi nur vom Erzähler wiedergegeben, also praktisch mit seiner Stimme.
  • Zuerst das Huhn oder das Ei? D.h. zuerst die Geschichte und dann die Darsteller? Oder umgekehrt? Besser ist ersteres, denn dabei bildet sich der Charakter der Darsteller von alleine. Anders herum ist man immer am navigieren zwischen den bereits gesteckten Grenzen. Sicherlich ist es für längere Erzählung zumindest eine Grobskizze der Hauptdarsteller zu haben, dies sollte aber nicht zu ausgefeilt sein, sondern eher als Hinweis gelten.
  • Die beste (und gebräuchlichste) Zeitform bei Erzählungen ist die "unvollendete Vergangenheit". ("Er ging in die Scheune und kam mit einem großen Bündel Stroh wieder."). Um dramatische Augenblicke zu betonen, kann in die Gegenwart geschwenkt werden. Beispiel: "Über ihm braute sich ein Gewitter zusammen. Die Wolken wurden dichter und dichter, schon kam es ihm vor, als wäre es Nacht, so dunkel war es geworden. Er suchte unter einem Baum Schutz. Da schlägt ein Blitz in die Baumkrone, ein Ast wird gespalten und wird nach unten geschleudert. Er konnte gerade noch zur Seite springen, fast hätte es ihn erwischt, heute war er ein Glückspilz."
  • Stil entwickelt sich von alleine. Wer sich zu stark auf den Stil konzentriert, z.B. weil er einem Lieblingsschriftsteller nacheifern möchte, vergißt darüber leicht die Geschichte, also das eigentlich wichtige.
  • Nicht ungefähr sagen, was man darstellen wollte, sondern exakt sein. Schließlich hat man ja beim Schreiben ein Bild im Kopf, das nur noch zu Papier gebracht werden muß. Dieses Bild ist schon exakt, es sollte also genauso exakt niedergeschrieben werden, damit der Leser das Selbe empfindet wie der Schreiber.
    • Nicht: "Er sah sich die Bäume in seiner Umgebung an."
    • Besser: "Angestrengt betrachtete er die Wipfel der Fichten und Buchen, die ihren Lagerplatz umgaben."
  • Möglichst keine Fremdworte. Es stört beim Lesen, wenn Worte benutzt werden, die der Leser nicht versteht. Etwas anderes sind natürlich Fachausdrücke, die z.B. in Dialogen benutzt werden, um z.B. den Eindruck zu erzeugen, daß da Fachleute miteinander reden. Dann ist es nicht mal wichtig, ob man das Wort kennt. Wichtig ist nur, daß der Leser den ungefähren Sinn erkennt.
    • Falsch: "Er war die komplette Negierung ihres Charakters."
    • Besser: "Ihr Wesen unterschied sich vollständig von seinem, sie waren wie Feuer und Wasser."
  • Die sechs großen "W" sollten beachtet werden:
    • Wer hat etwas getan, erlitten, erlebt?
    • Was hat er getan?
    • Wann hat er es getan?
    • Wo hat er es getan?
    • Wie hat er getan?
    • Warum hat er es getan?
  • Zufälle sind schlechte Lösungen für Probleme. Wenn sich die Darsteller in eine ausweglose Situation begeben haben, müssen sie auch aus eigener Kraft oder mit Hilfe anderer (die vorher erwähnt sein müssen, genauso wie die Möglichkeit), sich wieder daraus bewegen können. Der Zufall ist die Lösung für faule Leute, z.B. wenn der Held von Bösewichten umgeben ist, die sich ihm nähern. Seine Waffe hat keine Munition mehr, er ist verzweifelt. Plötzlich kommen deren ärgste Gegner vorbei (die vorher noch nie erwähnt wurden), bekämpfen die Feinde, retten den Held und ziehen wieder ihres Weges. So eine Lösung zeugt meiner Meinung nach von Vorstellungsarmut. Natürlich ist der Zufall eine gute Quelle, wenn es z.B. um die Entstehung der Geschichte geht.
  • Gleichklingende Namen vermeiden, das verwirrt den Leser, der immer wieder überlegen muß, wer denn jetzt gemeint ist.
  • Vermeiden, z.B. in einem Dialog, gleiche Personen unterschiedlich zu benennen. D.h., nicht einmal mit Vornamen, einmal mit Nachnamen, einmal mit Spitznamen. Das verwirrt ebenfalls den Leser, der erstmal überlegen muß, wieviele Leute sich denn jetzt gerade unterhalten, und wer jetzt genau wer ist.
  • Innere Handlung oder äußere Handlung? Soll bedeuten: Was ist wichtig? Die Charaktere oder das Geschehen? Im ersteren Fall muß der Charakter detailliert beschrieben werden, im letzteren reicht eine eher oberflächliche Betrachtungsweise, Tiefe würde die Handlung stören.
  • Der Autor sollte mehr über seine Charaktere wissen, als er schreibt, damit sich der Leser eben genau diese Teile denken kann.
  • Wie sind die Personen "gezeichnet"? Reine Schwarzweißmalererei macht genauso wenig Spaß wie der unfehlbare Superheld. Auch die Nebenfiguren sollten so gut gezeichnet sein, daß sie nicht absolut verblassen. Lieber weniger Figuren, aber dafür detailierter beschriebene. Die Hauptperson sollte nicht zu beladen mit Eigenschaften sein.
  • Durch Rückblenden können Charaktereigenschaften detailierter dargestellt werden, oder Ereignisse erzählt werden, die für das Verständnis wichtig sind.
  • Rückblenden und Zwischenblenden sollten nicht allzu häufig durchgeführt werden, bzw. sollten sie die Haupthandlung nicht zu sehr durchschneiden, denn so kann sich schnell Frust beim Leser aufstauen. Falls sich gerade eine dramatische Situation vorbereitet und sich auf einmal die Hauptperson an ihren 6. Geburtstag erinnert, und dieses Ereignis vielleicht noch absolut ausführlich erzählt wird, dann wird der Leser wohl verzweifeln. Anders ist es, wenn die dramatische Haupthandlung von einer anderen dramatischen Nebenhandlung abgelöst wird, die zusammen auf einen (möglicherweise gemeinsamen) Höhepunkt zulaufen. Das erzeugt zwar Ungeduld beim Leser, er wird aber durch ein ebenfalls spannendes Ereignis zufriedengestellt.
  • Der beschriebene Raum (Stadt, Dorf, Landschaft) sollte in Zusammenhang mit dem Geschehen und dem Charakter stehen. (Die schlechte Laune einer Person oder allgemein eine düstere Handlung läßt sich am besten durch einen ebenso düsteren Ort beschreiben. Gute Beispiele sind da meiner Meinung nach Manga-Filme und "Bladerunner")
  • Stimmungen sollten weniger beschrieben werden, als durch Formulierungen, etc. erkannt werden, also weniger "er sagte drohend...", sondern soetwas eher durch die Wortwahl unterstreichen. Ruhemomente können durch lange Sätze unterstrichen werden, die die Spannung herausnehmen. Aktion kann wiederum durch kurze, knappe Sätze unterstrichen werden, so daß das Gefühl, die Stimmung direkt beim Leser erzeugt wird, ohne daß sie beschrieben werden muß.
  • Im Dialog sollten möglichst wenige Einleitungsätze wie "sagte er", "erwiderte er", ... angewendet werden, da der Leser diese sowieso überliest, oder sie nur störend auffallen. Solange klar ist, wer gerade redet, können diese Worte komplett weggelassen werden. Schwierig wird es nur, wenn mehr als zwei Leute miteinander reden. Aber dort läßt sich schon durch die direkte Ansprache etwas machen ("Und Klaus, was meinst du dazu?" Da muß kein "Klaus antwortete" dahinter.)
designed by musteradresse.com Impressum Erstellt von: Michael Vogel