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Chandos Dorf

Sie flogen nicht nach Zhad zurück, sondern steuerten stattdessen direkt das rebellische Dorf an. Wenige Kilometer davor landeten sie. Sakak gab ihnen noch ein kleines Funkgerät mit, damit sie Kontakt mit ihm halten konnten. Er umarmte noch einmal beide, wünschte ihnen viel Erfolg und ermahnte sie noch einmal, vorsichtig zu sein. Dann stieg er in seinen Gleiter und war wenige Minuten danach außer Sichtweite.

Als Icarus aufsteigen wollte, hielt ihn Dawina fest, meinte: ,,Warte einen Moment``, und legte sich in den Staub. Icarus sah sie nur fassungslos an.

Sie stand wieder auf und klopfte sich den Staub notdürftig von der Kleidung, es blieben aber viele Spuren übrig.

,,Komm, leg' dich auch hin!`` forderte sie Icarus auf.

,,Wieso?``

,,Wir behaupten doch, vor der Weihe geflohen zu sein, oder? Wir sind seit fünf Tagen auf der Flucht und haben saubere Kleidung, das kann doch nicht sein, oder?``

Verständnis zeigte sich auf seinem Gesicht. ,,Du hast Recht, da hätte ich nicht dran gedacht.`` Wenig später hatte auch er Staub auf seinen Sachen.

Nun stiegen sie auf. Als das Dorf in Sichtweite rückte, landeten sie kurz, um das Funkgerät zu verstecken. Am Rand einer Lichtung lag ein umgestürzter, halb vermoderter Baum. Am wurzeligen Ende befanden sich mehrere Hohlräume, in die das handtellergroße Gerät paßte. Sie legten es in eins dieser Löcher und verschlossen es mit Erde.

Dann stiegen sie wieder in die Luft und näherten sich dem Dorf. Auf den ersten Blick hin hatte es normal ausgesehen, geschäftiges Treiben herrschte im Dorf, ein paar Herden grasten auf den Wiesen. Als sie sich aber weiter näherten, stellten sie fest, daß viele Drak mit umgeschnallten Gewehren herumliefen, sogar die Hirten.

Dann störte ein Anruf von hinten ihre Beobachtungen.

,,Halt! Wer seid ihr? Was wollt ihr?``

Icarus und Dawina drehten im Flug. Hinter ihnen hatte sich unbemerkt eine Drakfrau genähert, die ein Gewehr in Vorhalte hielt. Sie hatte das Band der Jäger in ihrem Zopf eingewoben und schien kaum älter als Dawina zu sein. An ihrem Gürtel hing ein Funkgerät, daß mit einer Kopfhörer-Mikrofonkombination verbunden war, die sie auf ihrem Kopf trug.

,,Wieso bist du so feindlich?`` Dawina tat überrascht.

,,Ihr könntet Spione sein.`` Sie wirkte etwas unsicher.

,,Spione, wieso?`` Icarus mischte sich in das Gespräch ein. ,,Und was für seltsame Waffen und Geräte hast du da?``

,,Das hat euch nicht zu interessieren.`` Eine harte Stimme von hinten erklang. Sie gehörte zu einem älterem Drak. Auch er hielt ein Gewehr im Arm.

,,Ihr werdet jetzt mit uns kommen. Dann wird Donkas entscheiden, was mit euch geschehen wird.``


Die Frau flog vorweg und wies ihnen so den Weg. Der Ältere folgte ihnen und verhinderte so, daß sie fliehen konnten. Natürlich hatten Icarus und Dawina gar nicht vor, zu fliehen, aber das wußten die anderen ja nicht.

Sie landeten am Dorfrand. Dort erwartete sie eine Eskorte von drei weiteren Drak. Sie wurden regelrecht eingekesselt. Der ältere überwachte die Aktion aus der Luft. Sie wurden nun durch das Dorf geführt. Überall sahen sie Drak unter Waffen. Und überall lasen sie eine ängstliche Neugier in den Augen der anderen. Icarus und Dawina taten ihrerseits so, als ob sie völlig verängstigt wären. Nun, schwer fiel es Icarus in Angesicht der vielen Waffen, die auf ihn gerichtet waren nicht ...

Ihre Führung endete vor einer kleinen Hütte, vermutlich der Hütte des Dorfältesten. Den Eingang bewachten zwei streng aussehende Drak. Sie schienen ohne Interesse streng nach vorne zu sehen.

Nun landete der Ältere kurz vor der Tür. Die anderen machten ihm respektvoll Platz. Dann ging er zur Tür, klopfte kurz an und trat herein. Einige Zeit geschah überhaupt nichts. Dann öffnete sich die Tür und der Ältere trat heraus, gefolgt von einem Drak im selben Alter - zu jung für einen Ältesten! - mit einem harten Blick, Donkas, wie Icarus vermutete.

Der Respekt dem sie dem Jäger erwiesen hatten, war nichts im Vergleich zu dem, was Icarus und Dawina nun erlebten. Die anderen Drak schienen es fast nicht zu wagen, ihm überhaupt in die Augen zu schauen.

,,Donkas, dies sind die beiden, die wir aufgegriffen haben.``

,,Danke Tukas. Ich denke, ich komme mit den beiden alleine zurecht, kümmer' dich bitte wieder um die Bewachung des Dorfes.`` Seine Stimme war wie seine Erscheinung, hart und kalt.

,,Natürlich Donkas. Dana, Lados, kommt mit mir. Ihr anderen kehrt auf eure Posten zurück.``


Der Platz leerte sich. Am Ende war Donkas mit Dawina und Icarus alleine. Icarus bezweifelte allerdings nicht, daß Donkas es schaffen würde, sie trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit zu überwältigen, sollten sie versuchen zu fliehen. Dies lag nicht nur an dem Messer, mit dem er herumspielte, nein, es war sein Blick - kühl, abschätzend, als seien sie seine Beute.

,,Macht es euch bequem, setzt euch doch bitte.`` Es war weniger eine Bitte, mehr ein Befehl. Sie setzten sich, Donkas blieb stehen, er lehnte mit der Seite am Türrahmen.

,,Aus welchem Dorf seid ihr?``

Dawina antwortete: ,,Wir sind aus Jurgas Dorf, wo ... wo sind wir hier? Weshalb sind hier alle so feindlich?``

,,Hmm, Jurgas Dorf, das ist weit im Westen, wenn mich nicht alles täuscht. Wie lange seid ihr schon unterwegs?``

,,Fünf Tage.``

,,Und wieso wolltet ihr nicht geweiht werden?``

Icarus tat überrascht. ,,Wie ... wie meint ihr das?`` Sie trugen in ihren Zöpfen wieder das Band der Jugendlichen, sie hatten gehofft, daß dies auffallen würde, und daß jemand solche Schlüsse ziehen würden.

,,Ihr müßt mir nichts vormachen. Als ihr abgehauen seid, war es wenige Tage vor der Weihe, ihr tragt noch das Band der Jugendlichen, aber mir scheint, als ob ihr ein wenig zu alt dafür seid.``

,,Ihr habt Recht``, gestand Dawina. ,,Wir haben erfahren, was wir werden sollten. Ich sollte Hirtin und Icarus Zubereiter werden, das gefiel uns beide nicht, deswegen sind wir davongeflogen.``

,,Und wo wolltet ihr hin?``

,,Wir wissen es nicht.`` Icarus sah verzweifelt aus. ,,Wir haben gehofft, bei einem anderen Clan Jäger werden zu können, im Zweifel wollen wir versuchen, einen freien Clan zu gründen.``

,,Ein freier Clan? Ihr habt euch viel vorgenommen. Nun, ich werde euch nicht verraten, was wir vorhaben, schließlich weiß ich nicht, ob ich euch trauen kann. Aber habt keine Angst, ich möchte euch nichts tun, ich möchte nur verhindern, daß ihr aus Versehen etwas sagen könntet.``

,,Zu wem? Und was sollten wir sagen?`` fragte Dawina, Unwissenheit vortäuschend.

,,Nun, unsere Gegner könnten irgendwo dort draußen sein und ihr könntet ihnen in die Hände fallen, das wollen wir verhindern. Deswegen werdet ihr für ein paar Tage unsere Gäste sein. Wenn alles gelaufen ist, dürft ihr das Dorf wieder verlassen, egal wohin eure Schwingen euch tragen werden.``


Donkas pfiff, und wenige Augenblicke später waren vier Wachen zur Stelle. Sie waren die ganze Zeit in Bereitschaft gewesen und wären sicherlich eingeschritten, falls Icarus oder Dawina versucht hätten zu fliehen.

Die Wachen führten sie durch das Dorf. Auf dem Weg dorthin kamen sie an einer Hütte vorbei, die arg zerstört aussah. Eine der Wachen bemerkte den Blick der beiden und meinte: ,,Ja, das war die Hütte von dem elendigen Priester, bevor wir uns um ihn gekümmert haben.``

Vor einer weiteren Hütte standen zwei Wachen und ein paar weitere umkreisten sie. Sie passierten auch diese Hütte und kamen an einer kleinen Hütte an. Die Wachen öffneten die Tür und ließen die beiden eintreten, dann verriegelten sie sie von außen.

,,Und was jetzt?`` Icarus zeigte mit der Hand auf sein Ohr, er vermutete, daß die Wachen versuchen würden, ihre Gespräche zu belauschen.

,,Wir sollten das Beste aus der Situation machen.`` Dawina hatte ihn verstanden. ,,Wir haben für ein paar Tage eine Unterkunft, Essen, und vielleicht können wir hier sogar bleiben.``

,,Was immer sie auch vorhaben.``

Sie sahen sich in der Hütte um. Es schien eine alte fensterlose Unterkunft zu sein. Der Boden war staubig, und ein paar Schränke und Betten standen zusammengeschoben in der Ecke. Decken und ähnliches suchten sie vergebens.

Sie gingen zu einem der Betten und schoben es unter heftigem kreischenden Quietschen in die Mitte des Raums. Ein paar Augenblicke später öffnete sich die Tür schlagartig.

,,Was tut ihr da?`` Die Wache war nicht alt, vermutlich war sie sogar noch jünger als die beiden.

,,Wir wollten es uns nur etwas wohnlicher machen. Bekommen wir wenigstens noch Besen und Decken?`` sprach Dawina vorwurfsvoll. Die Wache wirkte unsicher.

,,Ich ... ich werde das in die Wege leiten.`` Er wollte schon wieder die Tür schließen, als Icarus noch eine Frage stellte.

,,Wie sieht es eigentlich mit Duschen aus? Wir sind dreckig und würden uns gerne waschen. Außerdem, wie sieht es mit Essen und dem Rest aus?``

,,Duschen? Wir waschen uns im See.`` Sein Gesicht drückte Unglaube aus.

,,Ihr habt keine Duschen? Ihr habt moderne Waffen und nicht mal Duschen?`` Icarus hoffte, daß die Wache mehr verraten würde.

,,Die haben wir auch erst seid einem Monat, da hat sie uns L..., da hat sie uns jemand gebracht.``

Nun, wenigstens wußten sie schon, daß der Händler einen Namen hatte, der mit ,L` anfing.

,,Wir würden auch gerne gelegentlich etwas fliegen, immer nur in diesem kleinen Raum, das werden wir nicht aushalten.`` Sie mußten irgendwann das Funkgerät holen, damit sie Bescheid geben konnten.

,,Ich werde das alles weitergeben.`` Die Wache schloß schnell wieder die Tür, wahrscheinlich, um sich keine weiteren Forderungen anhören zu müssen.


Die Tür hatte sich geschlossen, Icarus grinste über das ganze Gesicht. Hoffentlich waren die anderen Wachen genauso steuerbar.

,,Laß uns noch das andere Bett holen.`` Icarus ging schon zu der Ecke vor.

Kaum, daß sie die zwei Betten in der Raummitte zusammengeschoben hatten, öffnete sich noch einmal die Tür.

Es war Tukas, der Leiter der Wachen. Er schloß die Tür und fing zu grinsen an. ,,Was habt ihr alles zu Lados gesagt? Er war ganz aufgeregt, er sprach etwas davon, daß ihr keinerlei Respekt vor ihm zeigen würdet und daß ihr ungeheure Forderungen stellen würdet.``

Dawina bemerkte trocken: ,,Nun, ich würde die Forderungen nicht als ungeheuerlich bezeichnen. Sind wir Gefangene oder Gäste? Wenn wir Gefangene sind, möchte ich wissen, was wir getan haben sollen. Bis dahin betrachten wir uns als Gäste und Gäste sollte man immer bevorzugt behandeln.``

Tukas lachte laut auf. ,,Ihr gefallt mir. Hattet ihr in eurem Dorf nicht Probleme wegen dieses Auftretens?``

,,Weswegen sind wir wohl hier und nicht dort?`` fragte Icarus rhetorisch. ,,Unser Dorfpriester hatte was gegen uns, deswegen hat er dafür gesorgt, daß wir Aufgaben bekommen sollten, die uns nicht lagen, und die uns trennen würden.``

,,Nun, unser Priester war auch nicht so gut auf uns zu sprechen, als er erfahren hat, was wir vorhaben. Seitdem hat er Gelegenheit, seine Position zu überdenken. Genauso wie einige der Alten.``

,,Was``, Dawina betonte das Wort, ,,was habt ihr denn vor? Wir haben bislang nur gehört, daß irgendetwas passieren wird, daß es bald passieren wird. Und wenn ich diese Waffen sehe, bekomme ich Angst.``

,,Ihr müßt keine Angst haben, ihr seid nicht die Gegner. Die Gegner sind die Priester.``

,,Wieso? Was haben sie euch getan?`` bohrte Icarus nach.

,,Nicht uns, unserem gesamten Volk, unserem Planeten. Sie foltern, ja, sie ermorden sogar für ihre Ziele. Sie unterdrücken Wissen.``

,,Vielleicht ist es manchmal gut, nicht alles zu wissen?`` Icarus sprach aus Erfahrung. Nun, da er das letzte Geheimnis, das Rätsel um ihre Herkunft kannte, hatte das Leben viel an Zauber verloren. Noch mehr als diese Entzauberung zerrte an ihm, daß er dieses Geheimnis mit niemandem teilen konnte.

,,Ist es nicht besser, wenn wir das selber beurteilen?``

Icarus wollte am liebsten noch mehr darauf erwidern. Aber ein kurzer warnender Blick Dawinas ermahnte ihn, daß es für den Auftrag besser war, wenn er einlenken würde.

,,Mag sein, ja. Und ihr wollt jetzt die Geheimnisse lüften?``

,,Auch das. Aber mehr kann ich euch nicht erzählen, daß kann nur Donkas entscheiden.``

Donkas, er mußte etwas Außergewöhnliches an sich haben, deswegen fragte Dawina: ,,Mir scheint, als ob alle gehörigen Respekt vor Donkas hätten, wieso?``

,,Nun, er ist unser bester Kämpfer. Er war außerdem der, der den Kontakt herstellte. Er alleine hat sich gegen die Alten gestellt und konnte die meisten von ihnen überzeugen. Den Priester hat er überwältigt, obwohl dieser eine Pistole hatte und Donkas unbewaffnet war. Wir haben ihm zu verdanken, daß uns die Augen geöffnet wurden. Wir werden ihm folgen, egal wo er uns hinschicken wird.``

Auch wenn er euch in euer Verderben führt, führte Icarus in Gedanken fort. Blinder Gehorsam mag einfach sein, aber nur Nachdenken kann dazu führen, daß man einen Weg einschlägt, den man vertreten, mit dem man leben kann. Icarus konnte sich nur zu gut daran erinnern, was geschehen war, als er ohne Nachzudenken agiert hatte. Zwei ausgelöschte Pardenleben sprachen Bände.

,,Wäre es möglich, mit Donkas ein Treffen zu arrangieren? Vielleicht kann er uns ja mitteilen, worum es geht? Vielleicht können wir euch ja unterstützen?`` Dawina war eingesprungen, als sie festgestellt hatte, daß Icarus seinen Gedanken nachhing.

,,Ich werde es ihm mitteilen. Entschuldigt mich jetzt bitte, ich habe noch ein paar Pflichten zu erfüllen. In der Zwischenzeit müßten eigentlich einige der von euch gewünschten Dinge eingetroffen sein.``

Es war so, wie es Tukas vermutet hatte. Als er die Hütte verließ, kamen gerade zwei Drak an, die einige Sachen trugen. Sie luden sie im inneren der Hütte ab und verließen sie schnell wieder, ohne ein Wort zu sagen und ohne sich umzusehen.

Tukas schloß die Tür und ließ Icarus und Dawina alleine zurück. Sie besahen sich nun die Dinge, die sie eben bekommen hatten. Es waren zwei Laken, zwei Decken und zwei Kopfkissen, außerdem ein Besen. Die Tür öffnete sich erneut und ein Drak stellte einen Eimer mit Wasser herein.


Sie begannen sauberzumachen. Zuerst legten sie die Wäsche auf die Betten, dann fegten sie gründlich durch. Mehr als einmal mußten sie eine Pause einlegen, weil soviel Staub in der Luft lag, daß sie anfangen mußten zu husten. Nachdem sie den groben Schmutz entfernt hatten, nahmen sie den Eimer, gossen einen Teil des Wassers auf den Dielen aus und wischten mit dem Besen, um den sie ein Tuch gelegt hatten, den Boden trocken und sauber. Nachdem sie damit fertig waren, war die Hütte sauber. Sie mußten nur noch einmal die Betten entstauben, bevor sie sie machten, dann legten sich anschließend zufrieden darauf.

,,So, das ist schon besser.`` Dawina war zufrieden. Sie lagen dicht nebeneinander, die Gesichter zueinander gedreht. So konnten sie leise sprechen, ohne daß es auffiel.

,,Was machen wir jetzt?`` wollte Icarus wissen.

,,Sakak hat uns eine klare Aufgabe gestellt. Wir müssen herausfinden, wer die Waffen geliefert hat. Sehr wichtig ist auch, daß wir endlich erfahren, was sie denn überhaupt vorhaben. Die Geiseln zu finden, dürfte nicht das größte Problem sein.``

,,Was dann?``

,,Du hast doch gesehen, wie alle auf Donkas eingeschworen sind. Er ist die Zentralfigur und ohne ihn dürften die anderen kein Problem mehr darstellen.``

,,Bis auf Tukas. Auch er hält Donkas fast für einen Gott, aber er ist selbständiger. Aber das ist ein Problem, dem wir uns später stellen müssen. Als erstes ist es wichtig, daß wir Sakak informieren und dafür müssen wir hier raus.``

,,Laß' mich das mal machen``, meinte Icarus selbstbewußt und stand auf. Er hämmerte an die Tür, die sich kurz darauf öffnete.

,,Ja?`` Lag da etwas Angst in den Augen der Wache, die Lados hieß, wie sie jetzt wußten?

,,Lados, kannst du uns einen Gefallen erweisen?``

Lados war etwas verwirrt, anscheinend weil Icarus seinen Namen wußte.

,,Äh, ja?``

,,Bitte frag' doch Tukas, ob meine Begleiterin und ich zumindest gelegentlich ausfliegen dürften. Diese Enge in dem Raum halten wir nicht lange aus.``

,,Ich werde es ihm ausrichten. Sonst noch etwas?``

,,Nein, danke für deine Hilfe.`` Icarus schloß die Tür.


Eine halbe Stunde später öffnete sich die Tür. Dana stand im Rahmen. Sie meinte: ,,Tukas sagte, ich soll mit jeweils einen von euch mitkommen, wenn ihr einen Ausflug macht. Der andere bleibt zur Sicherheit in der Hütte. Wer möchte der erste sein?``

Icarus warf Dawina einen fragenden Blick zu, sie nickte. ,,Dann würde ich gerne zuerst an die Reihe kommen.``

Dawina blieb alleine zurück, als Icarus aus der Tür trat. Vor der Hütte breiteten sie ihre Flügel aus und stiegen auf. Icarus schaute sich gleich um und bemerkte, daß sie nur von Lados bewacht wurden, der sich wieder gelangweilt auf die Stufen setzte. Außer ihm war keine andere Wache in der Nähe zu sehen.

,,Wieso seid ihr von eurem Dorf geflohen?``

,,Das haben wir uns die letzten Tage auch immer wieder gefragt. Es war eigentlich mehr Zufall. Wir haben durch einen Kameraden, der gerade bei den Ältesten saubergemacht hatte, als sie sich besprachen, erfahren, wofür wir eingeplant waren. Der Priester soll darauf bestanden haben, uns nicht zusammen einzuplanen, sondern uns möglichst getrennte Aufgaben zu geben, außerdem wollte er uns extra Aufgaben zuteilen, die uns nicht lagen.`` Er hatte sich mit Dawina abgesprochen, sie würde das selbe behaupten.

Dana runzelte mit der Stirn. ,,Wieso sollte der Priester soetwas tun?``

,,Ich bin wohl etwas ungemütlich.`` Er schmunzelte, denn das stimmte wirklich. ,,Ich hinterfrage viel und ich zweifle gerne an Dingen, besonders an denen, die schon immer so gewesen sind.``

,,Und wieso Dawina?``

,,Wir beide sind ein Paar, fester als viele andere Verbindungen, und er befürchtete, daß ich schlechten Einfluß auf sie ausüben könnte. Teilweise hatte sie schon angefangen, ungemütliche Fragen zu stellen. Dann, vor ein paar Tagen haben wir diese Nachricht bekommen, wir wollten gerade zu einem letzten Ausflug kurz vor der Weihe aufbrechen. Am nächsten Morgen dann, haben wir spontan beschlossen, nicht mehr zurückzukehren. Wir haben uns mittlerweile gefragt, ob es so klug von uns war, aber wir haben einfach Angst vor den Folgen.``

,,Vielleicht könnt ihr ja bei uns unterkommen.``

,,Das wäre wunderbar. Wir würden euch ja auch gerne unterstützen, wenn wir denn wüßten, was ihr vorhabt.``

Sie schaute ihn bedauernd an. ,,Das darf ich dir eigentlich nicht sagen, da ich aber sowieso nicht alles weiß, kann ich dir das erzählen, was ich weiß. Wir werden eine Priestersiedlung überfallen.``

,,Wieso?`` Er tat überrascht.

,,Ich weiß es nicht, aber Donkas wird seine Gründe dazu haben. Er und Tukas haben sich damals mit diesem Händler getroffen. Sie waren danach wie verändert, sie waren härter und kompromißloser. Jetzt, nachdem wir den Priester und ein paar andere gefangengenommen haben, gibt es sowieso keinen Weg zurück. Wahrscheinlich wissen die Priester schon, daß etwas bei uns geschehen ist. Wir erwarten jeden Tag ihren Angriff.``

,,Ich glaube, ich verstehe eure Reaktion. Aber gerade dann ist es wichtig, daß ihr jede Hilfe erhaltet, die ihr bekommen könnt. Laßt uns euch helfen!``

,,Das kann ich nicht entscheiden. Ich werde Donkas fragen, mehr kann ich nicht machen.``

,,Danke.`` Sie waren über der Stelle angelangt, an der sie das Funkgerät versteckt hatten. ,,Können wir kurz mal landen? Ich muß einmal kurz entspannen. Wir sind die letzten Tage einfach viel zu lange geflogen.``

,,Kein Problem.``

Sie landeten in der Nähe des Baumstamms. Icarus setzte sich auf den Stamm, Dana setzte sich neben ihn. Während er so tat, als ob er sich ausstrecken wolle, hatte er die Gelegenheit, in den hohlen Stamm zu greifen.

Gerade, als er mit den Fingern das Gerät berühren konnte, spürte er Danas linke Hand zwischen seinen Beinen. Er zuckte zusammen, sie zog ihre Hand schnell wieder zurück. Es war eine Instinktreaktion gewesen, die er jetzt fast bereute.

Dana saß etwas hilflos und zusammengesunken neben ihm.

,,Entschuldige``, fing er an, ,,aber ich habe eine feste Partnerin. Unsere Liebe zueinander bedeutet mir viel, ich möchte sie nicht aufs Spiel setzen.``

,,Ich verstehe``, meinte Dana enttäuscht, aber in Icarus' Ohren klang es so, als ob sie es eben nicht verstehen würde.

Jetzt konnte Icarus seine Aktion zuende führen. Er griff in die Höhlung und steckte das Gerät in seine linke Hosentasche. Er atmete innerlich auf. Leid um Dana tat es ihm aber trotzdem. Entweder sie war ein Extrembeispiel, oder aber sie waren in diesem Dorf freizügiger als bei ihnen zuhause. So oder so hatte sie keine Chance bei ihm. Nicht nur, daß er mit Dawina eine feste Partnerin hatte, die er nicht enttäuschen wollte, nein, er wollte und konnte seinen Auftrag einfach nicht gefährden.

Er versuchte, mit Dana nocheinmal ins Gespräch zu kommen, aber sie blieb einsilbig. Also schlug er vor, zurückzufliegen.


Sie landeten vor der Hütte. Dana öffnete die Tür und ließ Icarus eintreten. Sie bat Dawina, herauszukommen. Icarus nickte kurz zu Dawina, damit sie verstand, daß er das Gerät besorgt hatte. Sie nickte zurück, um ihr Verstehen zu signalisieren.

Als er alleine im Raum war, legte er sich aufs Bett und holte das Funkgerät aus der Tasche. Er sah es sich genauer an. Sakak hatte ihnen kurz die Funktionen erklärt, als sie auf dem Flug hierher gewesen waren. Es gab einen Knopf, der das Gerät aktivierte, einen weiteren, den sie drücken mußten, um zu sprechen. Außerdem gab es einen Regler für den Lautsprecher, sowie einen Ohrhörer. Ganz wichtig war der Knopf, der ankommende Gespräche komplett blockierte. Nichts wäre gefährlicher, wenn jemand bei ihnen sein würde, und das Gerät würde sich melden. Unter einer Klappe befanden sich noch mehrere Taster, mit denen die Frequenz eingestellt werden konnte, aber sie hatten sich auf einen Kanal geeinigt, den sie unter keinen Umständen ändern wollten.

An zwei gegenüberliegenden Seiten befanden sich zwei herausklappbare Haken, mit denen er das Gerät nun von innen an einem Längspfosten seines Betts verkrallte. Er wollte auf Dawina warten, damit sie gemeinsam Sakak Bescheid gaben.


Er schreckte hoch, als sich die Tür öffnete. Anscheinend war er eingeschlafen, denn wie er durch die offene Tür nach draußen sehen konnte, schien die Dämmerung bereits angefangen zu haben. Dawina verabschiedete sich herzlich von Dana, dann schloß sie die Tür.

,,Sie ist wirklich nett, aber du hast sie ziemlich verwirrt.`` Sie grinste.

,,Was hat sie dir erzählt?`` fragte Icarus erstaunt.

,,Nun, sie hatte angenommen, du hättest ihr eindeutige Zeichen für eine Paarung gemacht. Wenn in diesem Dorf jemand etwas von einem anderen möchte, dann fliegen beide einfach in den Wald, setzen sich gemeinsam zum Beispiel auf einen Baumstamm und dann vergnügen sie sich. Dana meinte, du hättest irgendwelche Andeutungen oder so gemacht. Sie war ganz enttäuscht, als du ihr von unserer Partnerschaft erzählt hast.``

,,Und das alles hat sie dir erzählt?`` Icarus konnte es fast nicht glauben.

,,Ja. Sie sind hier viel offener als in unserem Dorf.`` Sie legte sich aufs Bett, Icarus legte sich daneben. Sie fügte leise dazu: ,,Es wäre so schade, wenn ihnen etwas geschehen würde, nur weil sie den falschen Idealen folgen.``

,,Du hast recht. Wir müssen verhindern, daß etwas Schlimmes geschieht. Laß' uns Sakak Bescheid geben.`` Er griff unter das Bett und holte das Funkgerät hervor. Dann aktivierte er es und drückte den Knopf für die Benachrichtigung. Nach einer Minute leuchtete eine kleine Lampe auf, die signalisierte, daß Sakak jetzt empfangsbereit war.

,,Sakak, kannst du mich verstehen?`` flüsterte Icarus in das Mikrofon.

,,Ja, ich verstehe dich.`` Er war klar zu verstehen. ,,Wie geht es euch, was habt ihr erreicht?``

,,Wir sind im Dorf. Sie trauen uns noch nicht, aber wir haben erfahren, daß sie in nächster Zukunft eine Priestersiedlung überfallen wollen. Welche, das haben wir noch nicht erfahren.``

,,Das sind schlechte Nachrichten. Ihr mußt unbedingt erfahren, wo der Überfall stattfinden soll. Was ist mit dem Priester?``

,,Der Priester und ein paar andere werden in einer Hütte gefangengehalten. Die Dorfleitung hat Donkas übernommen. Dabei wird er von Tukas unterstützt. Die beiden hatten Kontakt mit einem Händler. Danach haben sie alles vorbereitet.``

,,Versucht unbedingt, ihr Vertrauen zu gewinnen. Wenn ihr nicht erfolgreich seid, ist die einzige Möglichkeit, diese Gefahr zu beseitigen, ein Angriff auf das Dorf. Das kann aber nur die allerletzte Konsequenz sein. Und sie gefällt mir überhaupt nicht.``

,,Wir müssen es einfach schaffen``, flüstere Dawina jetzt in das Mikrofon.

,,Wenn ihr Neues erfahren habt, informiert mich. Bitte, seid vorsichtig, versprecht mir das.``

,,Wir versuchen es, versprochen.``

Sakak schaltete ab. Icarus folgte und befestigte das Gerät wieder unter dem Bett. Keine Sekunde zu spät. Die Tür öffnete sich, und Lados trat ein.

,,Ihr habt doch bestimmt Hunger, oder? Tukas meinte, wir sollten euch zum Essen begleiten.``

Die beiden verließen die Hütte. Draußen standen Lados und Dana, beide hatten ihre Gewehre geschultert. Icarus mußte schmunzeln. Hätten er und Dawina jetzt versucht zu fliehen, wären sie außer Sichtweite gewesen, bevor die beiden ihre Waffen in Anschlag hätten nehmen können.

Dana gesellte sich zu Icarus, während Lados sich um Dawina kümmerte. Gemeinsam gingen sie zum Essen. Sie strahlten fast soetwas wie Harmonie aus, fand Icarus. Dana sprach wieder mit ihm. Sie erzählte ihm, wieso sie ihn mißverstanden hatte.

Dann erreichten sie die randvolle Küchenhütte. Die Schlange war lang, an der sie anstehen mußten, um ihr Essen, einen Gemüseeintopf, zu empfangen.

Sie fanden noch einen Platz an einer Ecke einer langen Bank. Icarus setzte sich neben Dawina, Dana neben Lados. Sie merkten, wie sie von den anderen angestarrt wurden. Auf der anderen Seite versuchten sie, möglichst unauffällig die anderen zu beobachten. Das Essen war heiß, aber sie hatten schon Besseres gegessen.

Dana schien ihre Gedanken erraten zu haben. ,,Der Leiter der Küche kann noch besser schießen, als er kochen kann, deswegen ist er jetzt einer der Ausbilder. Die meisten, die jetzt in der Küche sind, haben sich als untauglich für die Aktion erwiesen.``

Icarus schaute sich um. ,,Wenn ich mich so umsehe, sind aber die meisten tauglich?`` Praktisch jeder im Raum trug eine Waffe. Wie Icarus zu seinem Schrecken entdeckte, waren einige der Waffen nicht einmal gesichert. Eine Unachtsamkeit, und es könnte Tote geben. Leider konnte er aber nicht Bescheid geben, ihre Tarnung würde auffliegen, wenn sich herausstellen würde, daß sie sich wohl mit modernen Waffen auskannten, noch dazu mit Waffen, die nicht auf dem freien Markt erhältlich waren.

,,Wir werden dreihundert Krieger sein, wenn unsere Aktion stattfindet``, verkündete Dana stolz.

,,Dreihundert Krieger?`` Dawina bekam große Augen. ,,Das ist eine wirklich mächtige Streitmacht!``

,,Was immer ihr vorhabt, ihr werdet sicherlich einen großen Eindruck hinterlassen.`` Icarus grauste es bei dem Gedanken, er machte aber gute Miene dazu.


Tukas kam an ihrem Tisch vorbei und setzte sich zu ihnen. ,,Hallo Krieger! Hallo ihr beiden. Ihr seid ziemlich neugierig, wurde mir berichtet.``

,,Neugierig? Ja, wieso?`` fragte Icarus unschuldig.

,,Nun ja. Neugierde kann eine positive Eigenschaft sein, sie kann auch lästig sein. In einigen Fällen ist Neugierde durchaus gefährlich.`` Er sprach dies freundlich aus, aber die Drohung dahinter war leicht zu erkennen.

Icarus tat naiv. ,,Ja, bestimmt. Ich glaube, daß unser Priester uns wegen unserer Neugier bestrafen wollte.``

,,Was wollt ihr denn so Wichtiges erfahren?`` Es schien Icarus, als ob Tukas ihn nicht ganz ernst zu nehmen schien.

Dawina ahnte, worauf Icarus hinaus wollte, sie ergriff das Wort. ,,Das Geheimnis unserer Herkunft, das Geheimnis von Zhad. Was befindet sich wirklich auf der Insel, was verheimlichen uns die Priester? Gab es jemals einen Lota?``

Tukas' Augen schienen einen Moment größer zu werden, dann hatte er sich wieder in der Gewalt. ,,Nun, ich gebe zu, solche Fragen sind wirklich unangenehm für die Priester zu beantworten. Aber es gehört eine Menge Mut oder Naivität dazu, die Priester soetwas zu fragen. Ich bin mir nicht sicher, welches Attribut auf euch zutrifft.``

Er stand wieder auf. ,,Ich werde euch nachher besuchen kommen. Bis dahin!``

Als Tukas außerhalb der Hörweite war, sprach Dana Lados an. ,,Hab' ich das richtig gesehen? War Tukas eben wirklich überrascht?``

Lados sagte zu Dawina: ,,Ihr habt anscheinend einen Eindruck hinterlassen. Ob der jetzt gut oder schlecht war, das weiß ich nicht, aber das werdet ihr ja nachher feststellen.``


In ihrer Hütte angekommen, legten die beiden sich wieder auf das Bett, um miteinander zu reden.

,,Es klappt``, meinte Icarus.

,,Das schon, aber was machen wir, wenn sie zum Beispiel uns oder die Hütte durchsuchen. Sie werden das Funkgerät finden.``

,,Du hast Recht, wir müssen es verschwinden lassen, nur wo?``

,,Ich werde es in meine Tasche stecken, ich denke, am ehesten werden sie die Hütte durchsuchen. Wenn sie uns untersuchen, muß uns eben etwas einfallen.``

Kaum, daß sie das Funkgerät in ihre Tasche gesteckt hatte, öffnete sich die Tür und Tukas trat ein. Er verschloß die Tür hinter sich und setzte sich auf den Tisch, Dawina und Icarus setzten sich aufs Bett.

Tukas schien zu grübeln. ,,Ihr habt etwas an euch, das ich immer noch nicht einschätzen kann. Ich weiß einfach nicht, ob ich euch trauen kann, oder ob ihr die besten Schwindler seid, denen ich jemals begegnet bin. Ich will und kann das nicht entscheiden, deswegen habe ich mit Donkas gesprochen. Wir gehen gleich zu ihm. Er wird dann mit euch sprechen, und entscheiden, was geschieht.``

Sie verließen die Hütte und folgten Tukas, der sie zu der Hütte des Ältesten führte, von der aus Donkas jetzt alles leitete.

Tukas klopfte an, wartete auf eine Bestätigung und trat ein. Nach wenigen Augenblicken rief er die beiden zu sich.

Die Hütte sah ähnlich aus wie die ihres Ältesten. Donkas schien nichts verändert zu haben, es sah nur recht unordentlich aus, außerdem war eine große Karte auf dem Tisch ausgebreitet, die die doskische See zeigte, die an der Ostküste Burmasas lag, in deren Mitte Zhad lag. Icarus kannte diese Art Karten, er hatte sie bei seinem Studium in Arridos häufiger gesehen. Zhad war auf ihnen zwar eingezeichnet, nur waren keinerlei Einzelheiten zu sehen, nicht einmal der genaue Küstenverlauf.

Tukas verließ die Hütte, das riß Icarus aus seinen Betrachtungen. Donkas nahm die Karte und rollte sie zusammen. Dann bat er die beiden, sich an den Tisch zu setzen.

,,Tukas war verwirrt, das passiert ihm nur selten. Und das hat mich wiederum verwirrt. Ich hatte vorgehabt, euch einfach für die Zeit vor und während der Aktion hierzubehalten. Danach wäre sowieso alles anders gewesen, dann hätten wir euch ohne Probleme ziehen lassen können.``

Einerseits freute sich Icarus darüber, denn nur so konnten sie Näheres erfahren. Andererseits jedoch hatte er Angst davor, was jetzt geschehen könnte.

,,Es ist schon ein seltsamer Zufall. Wenige Tage, nachdem unser Dorfpriester von unserer Aktion erfahren hat, taucht ihr auf einmal auf. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, er konnte noch einen Notruf senden, bevor wir die Antennen zerstören konnten. Nun, dann seid ihr auf einmal hier und stellt neugierige Fragen. Es kann ein Zufall sein, aber ist das nicht ziemlich unwahrscheinlich?``

Er war gefährlich ruhig. Die nächsten Worte würden über ihre Zukunft entscheiden.

,,Ich ... ich weiß nicht.`` Icarus stotterte. Es war nur zum Teil gespielt. ,,Was ... was habt ihr mit uns vor, wenn ihr nicht an einen Zufall glaubt?``

,,Nun, der Älteste war davon überzeugt, daß wir falsch handeln würden. Der Priester war natürlich auch gegen uns. Aber beide haben es offen gezeigt. Ihr jedoch hättet versucht, uns zu betrügen, uns zu hintergehen. Die anderen können wir hoffentlich danach davon überzeugen, daß wir richtig gehandelt haben. Verräter jedoch, die müssen büßen.``

,,Ich habe Angst.`` Die hatte er wirklich.

,,Die müßt ihr nicht haben, wenn ihr nichts zu verbergen habt, habt ihr es?``

,,Wieso glaubt ihr uns nicht?`` Dawina klang verzweifelt.

,,Wie kann ich euch glauben?``

Nun übernahm Dawina das Gespräch. ,,Ihr müßt unseren Worten trauen, was sonst?``

Es klopfte an der Tür, Tukas trat ein, Donkas drehte sich zu ihm.

,,Wir haben nichts gefunden.``

,,Das beruhigt mich.`` Donkas klang wirklich so, als wäre er beruhigt. Er drehte sich wieder zu ihnen um. ,,Nun, das klingt ja gut. Wir haben die Hütte untersucht und nichts gefunden. Steht doch bitte kurz auf.``

Sie folgten der Anweisung. Tukas ging zu Icarus und begann, ihn abzutasten. Er fing bei den Beinen an und tastete sich langsam nach oben vor. Er schien zufrieden, als er nichts fand.

Dann begann er bei Dawina. Er tastete die Beine ab, tastete sich weiter nach oben. Icarus' Herz schlug schneller. Dann fühlte er die Taschen ab. Bei einer stutzte er einen Moment. Icarus' Herz schien stillzustehen.

Dann untersuchte er weiter. Als er fertig war, drehte er sich wieder zu Donkas um. ,,Nichts, sie sind sauber.``

Donkas atmete erleichtert auf, Icarus ebenfalls. ,,Setzt euch doch wieder, meine Freunde!``

Er nahm die Karte und rollte sie aus. ,,Ihr wißt, was die Karte zeigt?``

Sie hatten damals in ihrer ersten Ausbildung in ihrem Dorf nur eine einzige Karte gesehen, es war eine Weltkarte gewesen, die alle Kontinente gezeigt hatte. Diese Karte hing an einer Wand der Schulhütte. Die Umrisse von Zhad waren auf der Karte nicht erkennbar gewesen, im Gegensatz zu dieser Karte. Icarus fragte sich, wo diese Karte her war. Sie zeigte den exakten Küstenverlauf, sie zeigte sogar das Gebirge, hinter dem sich ihr Camp befand. Wo kam diese Karte her?

,,Ich bin mir nicht sicher, ich habe in meinem Leben nur eine einzige Karte gesehen. Das ist eine Insel, aber ich bin mir nicht sicher ...`` Er beugte sich vor, um die Beschriftung zu lesen. ,,Das ist Zhad!``

Donkas antwortete stolz: ,,Ja, das ist eine Karte von Zhad. Wie mir unsere Quelle erzählte, war es extrem schwierig, diese Karte zu besorgen. Auf keiner Karte ist Zhad genau eingezeichnet, wußtest du das?``

,,Ich habe mich nur immer gewundert, wieso auf unserer Karte alle Gebirgszüge, alle Küsten absolut exakt eingezeichnet waren, und bei Zhad nur ein Name stand und ein Oval die Küste andeutete.``

,,Ja, so ist das auf allen Karten, abgesehen von dieser. Ich weiß nicht genau, wie sie den Weg zu uns gefunden hat, das soll uns jetzt egal sein. Wichtig ist nur, daß sie exakt ist. Hier an der Nordspitze``, er zeigte auf das Gebiet, ,,hier befindet sich ein abgesperrtes Areal, daß sogar für die meisten Bewohner Zhads Sperrgebiet ist.``

,,Wer sind die Bewohner Zhads?`` wollte Dawina wissen.

,,Nun, sie setzen sich aus allen Völkern unseres Planeten zusammen. Sie sind zum größten Teil dort, um den Sama zu helfen, ihnen zu dienen. Aber sie dienen noch jemandem anderem, einer siebten Rasse.`` Donkas ließ das Wort wirken.

Icarus war erstaunt, woher hatte Donkas seine Informationen? ,,Eine siebte Rasse? Wie?``

,,Nun, wir alle kennen die Schöpfungsgeschichte. Dort wird immer wieder von Lota und den Beobachtern gesprochen. Habt ihr euch je gefragt, aus welcher Rasse diese Beobachter stammen?``

,,Wir haben gefragt, aber der Priester hat immer gesagt, es wären göttliche Wesen, sie gehören keiner Rasse an, sie sind.``

,,Ja, diese Antwort kenne ich. Nun, es gibt sie immer noch, und sie leben auf Zhad. Sie sollen aussehen wie ein Drak ohne Flügel.``

,,Unglaublich.``

,,Ja, aber wahr. Nun, um wieder zum Thema zurückzukommen: Dieses abgesperrte Areal darf nur von den Sama und der siebten Rasse besucht werden. Was dort genau passiert, entzieht sich unserer Kenntnis, aber wir werden es erfahren. In ein paar Tagen werden wir aufbrechen. Wir werden mit einem Gleiter schubweise auf eine kleine Insel gebracht.`` Er zeigte auf einen kleinen Fleck auf der Karte, östlich der Südspitze Zhads. ,,Von dort aus ist es ein Flug von etwa einer Stunde zu diesem Gebiet. Wir werden uns unbemerkt einschleichen, werden sehen, was dort genau geschieht. Und dann werden wir Beweise mitnehmen. Wir werden jemanden der siebten Rasse, der Beobachter, mitnehmen. Und wir werden ihn allen zeigen. Wollt ihr uns helfen?``

Icarus und Dawina schauten sich an. Dann drehten sie sich wieder in Richtung Donkas. ,,Ja``, sprachen sie synchron und bestimmt.

,,Prima``, meinte er knapp und rollte die Karte zusammen. ,,Folgt mir bitte, ich werde jetzt die anderen informieren.``

Er verließ die Hütte, begleitet von Tukas, Icarus und Dawina. Er ging zielstrebig auf den Dorfplatz zu, Tukas verließ die Gruppe in anderer Richtung. Als sie den Dorfplatz beim Zeichen Lotas erreichten, hörten sie die Alarmhörner, die zur Versammlung riefen, und wenig später sahen sie die ersten Drak, die angeflogen kamen.

Wenige Minuten danach waren alle dreihundert Krieger versammelt, abgesehen natürlich von den Wachen, die um das Dorf herum postiert waren.

Donkas begann seine Rede. Er erzählte, wie der Händler auf ihn zugekommen war. Sie waren sich zufällig begegnet, Donkas kam gerade von einer Jagd wieder, der Händler war gerade angekommen. Als die Jagdgruppe im Tiefflug am Gleiter vorbeiglitt, hatte der Händler Donkas zum ersten Mal gesehen. Später im Dorf sprach er Donkas an. Er stellte ihm einige unverbindliche Fragen, bis er auf einmal nachbohrte.

Wie Icarus nun hörte, gab es eine allgemeine Unzufriedenheit über den Priester, der sich nie hatte integrieren können. Stattdessen hatte er immer wieder mit der Macht der Priester gedroht. Icarus war sich nun sicher, wer eine große Teilschuld an diesem Problem trug. Er nahm sich vor, dies umgehend Sakak mitzuteilen.

Als der Händler von dieser Unzufriedenheit erfuhr, war er sich sicher, einen Verbündeten gewinnen zu können. Er lud Donkas zu sich in seinen Gleiter ein. Dort präsentierte er ihm die Geschichte um die siebte Rasse, die ihm Donkas bereitwillig glaubte, er zeigte ihm sogar ein Bild, das einen dieser ,,Beobachter`` zeigte. Donkas erzählte, wie geschockt er davon gewesen war. Seine Worte lösten jetzt das selbe auch bei seinen Kameraden aus. Icarus konnte in den Gesichtern die verschiedensten Emotionen lesen, Unglaube, Haß und Wut, alles war vertreten. Wie bestätigte sich nun tatsächlich Sakaks Meinung, daß das Wissen um ihre Erschaffung und um die Existenz der Beobachter geheim bleiben mußte. Dies gab Icarus im Stillen zu. Hatte er bislang immer noch einen Restzweifel gehabt, so gab es für ihn jetzt nur noch die Gewißheit, für die Beschützung des Wissens einzutreten.

Donkas fuhr in seiner Erzählung fort. ,,Und deswegen meine Kameraden haben Tukas und ich beschlossen, ihm bei der Enthüllung des Wissens zu helfen. Morgen ist der große Tag, morgen Nachmittag werden wir abgeholt. in Etappen werden wir auf eine kleine Insel kurz vor der Küste Zhads gebracht. Dort werden wir übernachten und früh am Morgen aufbrechen. Nach einem Flug von einer Stunde werden wir Zhad erreichen. Es sollte uns möglich sein, bis dahin von niemandem bemerkt worden zu sein. Dann können wir uns noch einmal ausruhen. Dann beginnt der Kampf. Wir teilen uns in zwei Gruppen. Eine wird aufbrechen mit dem Ziel, einen Beobachter lebend zu fangen. Die andere Gruppe wird versuchen, daß Geheimnis des Sperrgebiets herauszufinden.``

Er holte einmal Luft, dann führte er seinen Plan weiter aus. ,,Die gesamte Aktion darf nicht länger als eine halbe Stunde dauern, ansonsten wird zuviel Verstärkung da sein und wir bekommen Probleme. Die Waffen, die wir haben, sind Waffen, die normalerweise die Katak benutzen, sie sind das Beste, was es zur Zeit gibt, allerdings werden unsere Gegner die selben Waffen besitzen. Außerdem sind sie geübter im Umgang damit. Aber wir haben mehrere Vorteile: Wir kommen überraschend, wir können fliegen und wir werden erheblich mehr sein als sie. Nach spätestens einer halben Stunde werden die Gruppen getrennt voneinander aufbrechen. Auf der Insel werden wir dann schon von mehreren Gleitern erwartet werden, die uns sofort weitertransportieren werden. Wir übergeben dann den Beobachter uns unsere sonstigen Entdeckungen, dann werden wir erstmal wieder hierher gebracht.``

Icarus fragte sich ernsthaft, ob irgendjemand hier wirklich so naiv war, zu glauben, sie würden bei ihrer Flucht nicht verfolgt werden. Aber er sah keinen Zweifel in den Gesichtern.

,,Bald wird dann nichts mehr so sein, wie bisher. Das Wissen wird um die Welt gehen, und überall werden sich Leute gegen die Priester erheben. Dann werden wir die Helden sein, diejenigen, die die Befreiung unseres Planeten möglich gemacht haben! Dann werden wir Drak endlich einen würdigen Platz in der Geschichte haben, dann werden sie zu uns aufsehen! Wollt ihr das?`` Seine Stimme hatte sich in den letzten Sätzen zu einem Kreischen gesteigert.

Aus vierhundert Kehlen brandete ihm jetzt die Zustimmung entgegen. Er wirkte stolz, zufrieden. Tukas hatte sich inzwischen zu ihnen durchgedrängelt. Über das Jubeln schrie er: ,,Ihr werdet morgen eine schnelle Einführung in die Waffe bekommen. Ich werde mich morgen gleich nach dem Frühstück bei euch melden.`` Dann verließ er sie wieder, um sich zu Donkas durchzuschlagen. Bei ihm angekommen, stellte er sich an seine Seite und reckte seine rechte Faust gen Himmel. Vierhundert Fäuste und ein Jubelgeschrei antworteten ihm. Icarus bekam ein Frösteln überall am Körper. Sahen sie denn nicht, daß sie in ihr Verderben gingen?


Es wurde dunkel und die Menge verstreute sich und ging in ihre Hütten. Auch Icarus und Dawina traten den Heimweg an. Vor ihrer Hütte befand sich nun keine Wache mehr, sie waren also anscheinend aufgenommen.

Im Inneren sahen sie, daß die Hütte durchsucht worden war. Die Schränke und Betten in der Ecke waren umgestellt worden, auch standen ihre beiden Betten nicht mehr dort, wo sie vorher gestanden hatten. Allerdings hatten sie sich bei der Durchsuchung die Mühe gemacht, danach wieder für Ordnung zu sorgen. Die beiden legten sich auf das Bett.

,,Das ist doch Wahnsinn, was die da vorhaben!`` flüsterte Icarus.

,,Allerdings! Wir müssen unbedingt Sakak Bescheid geben, ansonsten wird es ein Unglück geben.``

,,Gut, daß du das sagst. Wo bei Lota ist dieses Funkgerät? Wo hattest du es versteckt, als du von Tukas durchsucht wurdest?``

Dawina grinste. ,,Als Tukas in Donkas Hütte trat und von der Durchsuchung erzählte, habe ich schon vermutet, daß wir als nächstes durchsucht werden. Ich hab' eine kurze Unaufmerksamkeit abgewartet und hab' das Gerät unter dem Tisch angebracht.``

,,Das war eine sehr gute Idee``, lobte Icarus Dawina. ,,Aber jetzt sollten wir Sakak Bescheid geben. Und dann laß' uns von hier fliehen!``

Dawina schaute traurig drein. ,,Wir haben ein Problem. Nach der Untersuchung hatte ich keine Gelegenheit mehr, das Gerät an mich zu nehmen.``

,,Das ist dumm, sehr dumm. Was machen wir jetzt?``

,,Ich hoffe, daß wir noch einmal in Donkas Hütte kommen, bevor wir abfliegen, ansonsten weiß ich nicht weiter.``


Sie schliefen bald darauf ein. Am nächsten Morgen wurden sie von Lados unsanft geweckt. Er riß die Tür auf. ,,Guten Morgen!``

,,Nicht so laut!`` brummelte Icarus. ,,Wie kann man morgens schon so munter sein?``

,,Kein Problem! Ich bin schon seit Mitternacht wach. Ich hab' euch überwacht.``

,,Aber gestern war doch gar keine Wache vor unserer Tür?`` fragte ihn Dawina.

,,Du hast Recht. Wir haben euch aber trotzdem bewacht. Donkas war der Meinung, so testen zu können, ob ihr wirklich keine Verräter seid. Wenn ihr in der Nacht geflohen wärt, hätten wir wir euch aufhalten müssen. Ich freue mich, daß das nicht der Fall war!``

Icarus atmete erleichtert auf. Donkas war gewiefter, als er zunächst gedacht hatte. Er hatte sie nochmals auf die Probe gestellt. Wahrscheinlich würde es heute im Verlauf des Tages auch unmöglich für sie sein, unbemerkt zu entkommen. So konnte sich Donkas sicher sein, daß sein Geheimnis nicht in falsche Hände geriet.

Ihre einzige Chance war nun das Funkgerät, das unter Donkas Tisch befestigt war. Wenn sie keine Möglichkeit mehr haben würden, Sakak damit zu informieren, würden sie zwangsläufig bei der Aktion dabeisein. Selbst wenn sie dann versuchen würden, die Priester zu warnen, würde es ihnen nicht mehr gelingen, die Aktion dadurch zu verhindern.


Sie wuschen sich am Fluß. Das Wasser war kalt, und Icarus vermißte seine heiße Dusche. Er sagte dies Dawina, die ihn daraufhin komplett ins Wasser schubste. Unter dem Gelächter der anderen, kam er wieder an das Flußufer zurück.

Nach dem Frühstück - es hatte in etwa die Qualität des Abendessens gehabt - kam Tukas auf sie zu. Er führte sie zu einem Platz außerhalb des Dorfes. Dort standen viele Pfähle, an denen Scheiben hingen. Tukas drückte ihnen zwei Waffen in die Hände. ,,Das ist die Waffe. Im Grunde genommen ist sie nichts anderes als eine Art Armbrust. Der Unterschied liegt nur darin, daß die Pfeile Projektile heißen und viel kleiner, aber auch viel schneller sind. Außerdem spannt sich die Waffe selber und man kann erheblich schneller damit schießen.``

Er überflog kurz das Prinzip der Explosivwaffen, Icarus mußte zugeben, daß er erstaunlich gut Bescheid wußte, obwohl er doch ebenfalls erst vor kurzem in diese eingeführt sein konnte.

Tukas nahm die Waffe und legte sie an. Dann schoß er. Icarus und Dawina zuckten programmgemäß zusammen, was Tukas mit einem Grinsen bemerkte. ,,Ihr müßt keine Angst haben. Es ist ganz einfach. Und wenn ihr selbst schießt, habt ihr gar keine Zeit, euch zu erschrecken. Dawina, versuch's mal.`` Damit drückte er ihr die Waffe in die Hand.

Dawina legte sich das Gewehr an ihre Schulter. Vorher hatte sie bemerkt, daß Tukas sie gesichert hatte. Da sie aber nicht Bescheid wissen durfte, tat sie so, als wüßte sie es nicht. Sie zielte, dann zog sie am Abzug. Als nichts geschah, setzte sie die Waffe ab und schaute Tukas verwundert an.

Dieser nahm die Waffe an sich und erklärte: ,,Es gibt auf der linken Seite einen kleinen Hebel. Im Moment steht er auf ,,S`` wie ,,sicher``. Wenn man schießen will, muß er auf ,,E`` stehen, das steht für ,,Einzelfeuer``. Wenn man ganz schnell hintereinander schießen möchte, muß man auf ,,F`` wie ,,Frieden`` stellen. Er grinste und demonstrierte diese Einstellung. Er legte an und viele schnelle Schüsse erschallte. Dann wechselte er das Magazin und drückte das Gewehr Icarus in die Hand.

Dieser entsicherte, legte an und drückte ab. Der Rückstoß war kaum anders als bei der Armbrust, er hatte mehr erwartet. Nur getroffen, das hatte er nicht.

Im Laufe des Vormittags erklärte ihnen Tukas noch vieles, was sie zu beachten hatten. Sie schossen noch viele Male, dann schien er beruhigt. ,,Ich bin mit euch zufrieden. Ich denke, ihr werdet das hier mit Stolz tragen.`` Mit diesen Worten übergab er ihnen zwei blutrote Bänder, das Zeichen der Jäger. Innerlich dachte sich Icarus: Oh nein, nicht schon wieder eine Weihe. Aber nach außen tat er stolz und nahm sein Band entgegen.


Sie flogen gemeinsam wieder zurück, Tukas begleitet sie bis zu ihrer Hütte. Davor angekommen, halfen sie sich gegenseitig, das neue Band in ihre Zöpfe einzuflechten. Bis jetzt hatten sie noch keine Gelegenheit gehabt, sich das Funkgerät zu holen, und die Zeit wurde langsam knapp. In einer Stunde spätestens würde der Gleiter kommen und sie alle abholen. Wenn sie es bis dahin nicht geschafft hatten, wären sie in diesem Alptraum gefangen.

Kaum daß sie von Tukas allein gelassen waren, kam Dana vorbei und begleitete sie zum Essen, das heute ausnahmsweise Mittags stattfand.

Möglicherweise hatte Dana den Auftrag erhalten, sie nicht aus den Augen zu lassen, vielleicht mochte sie auch einfach die Gesellschaft der beiden. Auf alle Fälle ließ sie die beiden von da an nicht einen Moment alleine. Die Zeit schritt voran, es wurde Nachmittag und sie wurden immer ungeduldiger. Jeden Moment konnte der Gleiter kommen, dann war es zu spät.

,,Donkas möchte euch sehen.`` Sie schöpften neue Hoffnung. Diese Nachricht hatte ihnen Lados überbracht. Er begleitete sie zu Donkas Hütte. Nachdem sie angeklopft hatten, traten sie sein. Donkas saß am Tisch, studierte noch einmal die Karte.

,,Gut, daß ihr da seid. Ich wollte mit euch über eure Zukunft sprechen.`` Donkas saß genau dort, wo Dawina das Funkgerät befestigt hatte. Sie warf einen verzweifelten Blick zu Icarus.

,,Ihr habt gesagt, ihr wolltet vielleicht einen freien Clan gründen. Aber ihr hattet auch gehofft, vielleicht bei uns unterzukommen. Ist das immer noch eure Absicht?``

Damit Dawina vielleicht doch noch eine Möglichkeit hatte, das Gerät zu bekommen, sprach Icarus mit ihm. ,,Wir haben uns noch nicht entschieden. Es hängt ja auch davon ab, daß wir in diesem Dorf aufgenommen werden.``

,,Wenn ihr euch gut schlagt, sollte das nicht das große Problem sein. Ich habe euch deswegen extra vor dem Einsatz hergerufen, denn ich bin mir sicher, daß ...`` Die Tür flog auf, Tukas stürmte herein. ,,Er ist da! Er ist eben gelandet!``

,,Entschuldigt mich!`` rief Donkas, dann verließ er fluchtartig zusammen mit Tukas den Raum. Dawina ging zum Tisch, griff darunter, holte das Gerät hervor und steckte es in ihre Tasche. Dann gingen sie ebenfalls hinaus.

Alle Draks stürmten jetzt zum Landeplatz. Dort stand nun ein großer Händlergleiter, vor dem sich schon viele Draks versammelt hatten, und sekündlich wurden es mehr.

Der Weg zum Landeplatz führte über ihre Hütte, so fiel es nicht auf, daß sie dort landeten. Sie gingen ins Innere. Dawina blieb aufpassend an der Tür stehen, während Icarus eine Verbindung mit Sakak aufnahm.

Es schienen endlose Minuten zu vergehen, bis die Bereitschaftsleuchte aufleuchtete, in Wirklichkeit waren es aber nur Sekunden gewesen.

,,Sakak? Es geht los!`` Icarus war aufgeregt.

,,Wohin?``

,,Zhad! Die Nordküste!`` Icarus glaubte fast, Sakak auf der anderen Seite zusammenzucken zu sehen. Er hörte einen kurzen Stöhnlaut, dann hatte er sich anscheinend wieder gefaßt.

,,Wie kommt ihr dorthin?`` Es klang fordernd.

,,Der Händler bringt uns etappenweise auf eine Insel östlich von Zhad. Von dort aus soll es am nächsten Morgen losgehen.``

Icarus hörte, wie Sakak erleichtert ausatmete. ,,Es gibt zum Glück nur eine Insel, die in Frage kommt. Danke, ihr habt uns sehr geholfen!``

,,Was sollen wir machen? Sollen wir jetzt fliehen?``

,,Auf keinen Fall. Sie würden euer Fehlen bemerken, das könnte den Plan immer noch kippen. Fliegt mit. Wir werden euch dort erwarten, wir werden in der Nacht kommen. Viel Glück!``

Icarus beendete die Verbindung. Dann traten sie aus der Hütte. Das Dorf war verlassen. Sie flogen zum Landeplatz, wo jetzt die ersten den Gleiter betraten. Sie schafften es, unbemerkt zu landen. Gerade rechtzeitig, denn Tukas war dabei, sie in Gruppen aufzuteilen.

Der Gleiter würde die Hälfte von ihnen sofort mitnehmen können, die andere Hälfte würde er bei seiner Rückkehr mitnehmen. Tukas würde den ersten Flug begleiten, den zweiten Flug leitete Donkas. Da sie weiter hinten standen, wurden sie dem zweiten Flug zugeteilt.

,,Nein!`` entfuhr es Icarus. Niemand außer Dawina, die sich erschrocken zu ihm umdrehte, schien ihn gehört zu haben.

,,Was hast du?`` fragte sie ungeduldig. Die Geräuschkulisse war derart hoch, daß sie es wagen konnten, inmitten der Draks unhörbar für die anderen miteinander zu sprechen.

,,Ich kenne den Händler, es ist Lonkas, er gehörte dem Triadon an. Wenn er mich sieht, erkennt er mich möglicherweise!``

,,Das ist schlecht, sehr schlecht. Aber es wird schon gehen. Wir sind zweihundert Draks. Und in den Augen der Parden sehen wir sowieso alle gleich aus. Du solltest nur verhindern, ihn anzusprechen.``

Verkniffen antwortete er: ,,Ich hoffe, daß das funktioniert.``


Der Gleiter hob mit lautem Düsengeheul ab. Zurück blieben zweihundert Drak, die auf die Rückkehr in zwei Stunden warteten und zwei Drak, die das Gegenteil erhofften.

Es wurden lange zwei Stunden, in denen die Ungeduld immer mehr Besitz von ihnen ergriff. Die Dunkelheit kam, dann hörten sie ein Fauchen in der Ferne, das sich näherte.

Das Fauchen wurde lauter, immer lauter. Dann war es über ihnen. Grelles Licht blitzte auf, sie schlossen geblendet die Augen. Dann landete der Gleiter. Es wurde still, sehr still. Dann öffnete sich die hintere Frachtluke. Eine Stimme von der Steuerkabine: ,,Rein mit euch! Beeilt euch!`` Dann stürmten sie los. Die Düsen liefen an, bevor der letzte von ihnen eingestiegen war.

Sie drängelten sich dicht an dicht, dann schloß sich die Luke. Der Gleiter zitterte und wackelte, er schien sich regelrecht am Boden festzuklammern, wollte ihn nicht verlassen, dann jedoch schien es einen Ruck zu geben. Das Rütteln wurde regelmäßiger und wich schließlich einer regelmäßigen Vibration. Die Luft wurde schnell stickig, Icarus fragte sich, wie er so eine Stunde überstehen sollte.

Donkas drängelte sich an ihnen vorbei, um zur Steuerkabine zu gelangen. Er öffnete die Tür und schlüpfte hindurch. Nach einigen Minuten kam er wieder. ,,Hört mir bitte zu!`` schrie er durch den engen Raum. ,,Lonkas wird auf halber Strecke die Luke öffnen, damit frische Luft eintreten kann. Aber versucht nicht, auszufliegen. Die Düsen erzeugen um den Gleiter herum eine starke Luftströmung. Sie könnte euch in die Triebwerke ziehen, oder aber euch daran hindern, wieder zurückzukehren.``

Die Luft wurde heißer, stickiger. Bald japsten die ersten nach Luft. Die Zeit schien stillzustehen. Dann, irgendwann, der Ton der Triebwerke änderte sich. Mit einem Sirren öffnete sich die Heckluke, endlich, frische Luft!

Die Luke schloß sich viel zu schnell, wie Icarus fand. Dann ging es weiter. Wieder wurde die Luft stickig, wurde heiß. Die Enge forderte ihren Tribut. Einer flippte aus, schlug wie wild um sich, wollte unbedingt heraus. Erst als ihn vier Kameraden festhielten und ein weiterer auf ihn einredete, beruhigte er sich wieder. Er blieb ein Einzelfall, aber im trüben Licht der Notbeleuchtung konnte Icarus die Angst in vielen Gesichtern lesen. Er kannte dieses Gefühl, hatte es ja schon erlebt, damals. Diesesmal hatte er keine Probleme. Vielleicht lag es an seiner Erfahrung, vielleicht an der Angst vor dem, was bald geschehen würde? Er wußte es nicht. Zweihundert Drak atmeten erleichtert auf, als sich wiederum der Ton der Triebwerke änderte. Dann, als ein Ruck von ihrer Landung kündete und die Luke sich öffnete, drängten alle hinaus. In Sekundenschnelle waren alle im Freien. Als Icarus wieder klar denken konnte, sah er sich um.

Die Insel war klein, kaum größer als das Dorf. Die Vegetation war spärlich. Abgesehen von einem harten Gras schien hier nichts zu wachsen. Es gab keine Deckung, keine hohen Hügel, nichts.

Nach ein paar Minuten ergriff Donkas das Wort. Er rief alle zu sich. Die Drak aus dem ersten Flug hatten es sich schon überall bequem gemacht und ihre Schlafsäcke ausgebreitet, wo sie Platz gefunden hatten. Sie schlüpften nun aus ihren Schlafsäcken und richteten ihre Aufmerksamkeit auf Donkas.

,,Meine Freunde. Der große Augenblick steht kurz bevor. In weniger als drei Stunden werden wir aufbrechen. Dann werden wir uns aufmachen, um die Geschichte zu ändern. Von uns werden noch unsere Kinder und deren Kinder erzählen. Nichts wird jemals wieder so sein, wie es einmal war. Jetzt aber genug der klugen Worte. Tukas Truppe wird die erste Wache halten, meine Leute werden die Wache für die zweite Schicht zur Verfügung stellen. Gibt es Freiwillige?``

Es meldeten sich genügend, so daß niemand gegen seinen Willen ausgesucht werden mußte. Jetzt suchte sich auch die zweite Gruppe einen Schlafplatz.

Auch Icarus und Dawina suchten sich eine Stelle, allerdings bezweifelten sie, daß sie zum Schlafen kommen würden, zu hoch war die Gewißheit, daß sie noch vor dem Sonnenaufgang von Katak überfallen werden würden. Sie legten sich in die Schlafsäcke und warteten. Die Anstrengung des Fluges forderte dann doch ihren Tribut, sie fielen in den Schlaf.


Ein kaltes Stück Metall an seiner Kehle, eine leise Pardenstimme: ,,Wenn du keinen Ton von dir gibst, überlebst du.`` Er fühlte, wie seine Hände auf dem Rücken zusammengebunden wurden. Bevor ihm ein Knebel in dem Mund geschoben werden konnte, flüsterte er: ,,Warte!`` Die Klinge an seiner Kehle wurde enger gehalten. ,,Ich bin Icarus, Sakak weiß Bescheid.``

Die Klinge lockerte sich, seine Fesseln wurden gelöst. Er richtete sich auf. Neben ihm lag Dawina, verschnürt wie ein Paket. Icarus meinte zu dem Katak: ,,Das ist Dawina, meine Gefährtin, bitte bindet sie los.`` Er tat, wie ihm befohlen wurde. Icarus nahm sich die Zeit, um sich den Katak genauer anzusehen. Ihre Kleidung unterschied sich von der, die die normalen Streifen in den Städten trugen. Statt eines langen Umhangs und einer Mütze, die den Kopf bedeckte, trug er eine enganliegende Uniform, die sogar seinen Schwanz mit einschloß. Auf dem Gesicht trug er eine schwarze Maske und hatte die Stellen des Fells, die hervorschienen schwarz gefärbt. Anscheinend war er hierher geschwommen, auf alle Fälle glänzte er leicht im Mondschein.

Als Dawina losgebunden war, meinte er: ,,Folgt mir.`` Sie hatten nun Gelegenheit zu sehen, wie die Aktion verlaufen war. Etwa fünfzig Katak gingen von Drak zu Drak, hielten ihn mit Hilfe eines Messer still, während ihr Kamerad sie fesselte und knebelte. Die Aktion verlief unglaublich leise und diszipliniert.

Neben dem Gleiter, an dem sie jetzt herumgeführt wurden, lag der Händler, gefesselt wie die anderen. Er sah auf. Lag da Erkennen in seinen Augen? Sicherlich nicht, denn es war einfach noch viel zu dunkel. Die Sonne würde erst in einer halben Stunde aufgehen.

Sie wurden an den Strand geführt, dort bauten die Katak gerade eine Kommandobasis auf. In diesem Moment kam der Ruf: ,,Situation gesichert.`` Die Katak entspannten sich sichtlich. Der Gruppenführer griff zu einem Funkgerät und gab Bescheid. Wenige Sekunden danach brodelte das Wasser kurz vor der Küste, ein U-Boot tauchte auf.

Die Luke öffnete sich, Beleuchtung wurde eingeschaltet, mehrere Katak sprangen an Deck und ließen ein Boot zu Wasser. Ein Sama nahm darin Platz. Kurze Zeit darauf erreichte er den Strand, wo ihm mehrere Katak dabei halfen, das Boot an Land zu bringen. Der Sama war Sakak und seine Freude war ihm anzusehen.

Als erstes machte der Gruppenführer offiziell Meldung. Sakak nahm die Meldung entgegen, dann ging er auf Dawina und Icarus zu. ,,Da sind ja meine beiden Helden! Ich bin froh, daß ihr wohlauf seid. Ihr könnt wirklich stolz auf euch sein. Ihr habt ein Blutbad verhindert. Wie mir eben der Gruppenführer sagte, hatten wir keinerlei Verluste, das ist alleine euer Verdienst.``

Der Stolz über diese Sache wollte nicht so recht zu Icarus vordringen. Ja, er war stolz darauf, so viele Leben gerettet zu haben, aber hatte er sie nicht auch verraten, hatte sich bei ihnen eingeschlichen, ihr Vertrauen mißbraucht? Sakak schien seine Gedanken zu erraten.

,,Ja, ich weiß. Jetzt fällt es euch vielleicht noch schwer, aber ihr werdet sehen, später, wenn ihr nocheinmal darüber nachdenkt, dann werdet ihr wissen, daß ihr richtig gehandelt habt.``

,,Was geschieht jetzt?`` wollte Dawina wissen.

,,Wir haben einen Gleiter gerufen, der wird in einer halben Stunde da sein. In der Zwischenzeit werden wir alle erfassen. Ihr müßt uns dann noch einmal helfen, die Anführer zu identifizieren.``


Die Morgendämmerung kam und einer nach dem anderen wurde an dem Tisch, den sie mittlerweile am Strand aufgestellt hatten vorbeigeführt. Sie mußten ihren Namen nennen, der dann aufgeschrieben wurde. Icarus und Dawina saßen etwas weiter hinter dem Tisch auf einem Felsen. Sakak hatte ihnen aufgetragen, darauf zu achten, ob jemand eine falsche Aussage machte. Als es noch dunkel war, konnten sie noch nicht richtig von den Gefangenen gesehen werden, zumal eine Lampe auf ihr Gesicht gerichtet war. Aber als es dann dämmerte, konnten sie ihre Verräter erkennen. Nicht jeder blickte sie an, aber wenn einer sie ansah, dann konnten die beiden nur Verachtung spüren. Es traf sie hart.

Als Donkas an der Reihe war, meinte er ungebrochen: ,,Ich bin Donkas, ich habe die Aktion geleitet.`` Er schaute streng nach vorne und richtete nicht einmal einen Moment den Blick auf Icarus und Dawina. Icarus atmete tief durch, hatte es ihm doch erspart, ihn ebenfalls ins Gesicht sehen zu müssen.

Es wurde heller, so daß sich Icarus auch endlich umsehen konnte. Es waren etwa fünfzig Sakak gewesen, die die Aktion durchgeführt hatten, das stellte er jetzt fest, als er sie flüchtig nachzählte. Dann sah er etwa vierzig bis fünfzig Meter entfernt etwas am Strand liegen, einen Drak. Er lag völlig ruhig dort, was seltsam war, denn eigentlich standen jetzt alle in der langen Schlange.

Icarus stand auf. Er ging erst ruhig dorthin, aber je näher er kam, desto merkwürdiger kam ihm das Ganze vor. Als er nur noch zehn Meter entfernt war, wußte er auch, weshalb: Der Drak war tot! Dann, im selben Moment erkannte er ihn: Es war Dana! Er stürmte zu ihr. Sie lag auf dem Rücken und ein großer Blutfleck hatte sich auf ihrer Brust ausgebreitet. Ihre Augen waren angstgeweitet und seltsam stumpf. Er nahm ihren Kopf und schob die Augenlider zu, damit sie etwas friedlicher aussah, dann bettete er ihren Kopf vorsichtig zurück auf den Boden und stand ruhig auf.

Er ging zurück, seltsam ruhig, wie er selber feststellte. Dort stand Sakak, dem er mitteilte: ,,Dort hinten liegt ein toter Drak, ich habe gedacht, es gab keine Verluste?``

Sakak erwiderte völlig ruhig und in einem selbstverständlichen Ton: ,,Die gab es auf unserer Seite auch nicht. Aber irgendwie mußten doch die Wachen ausgeschaltet werden, oder? Hättest du es lieber gehabt, wenn wir entdeckt worden wären?``

,,Wieviele?`` Icarus war sehr, sehr ruhig.

,,Drei oder vier, das kann ich dir nicht genau sagen. Wenn du möchtest, können wir den Gruppenführer fragen.``

,,Nein danke.`` Er ging zu Dawina zurück und setzte sich.

In diesem Moment wurde Lados an den Tisch geführt. Er beschränkte sich nicht darauf, seinen Namen zu nennen, er schrie: ,,Ich bin Lados, und ihr habt Dana umgebracht!`` Dann blickte er voller Verachtung auf Icarus und Dawina. ,,Und ihr habt ihnen dabei geholfen!``

Icarus senkte seinen Kopf, Dawina schaute Lados ungläubig an. Icarus flüsterte bedrückt: ,,Er hat Recht, sie ist tot.``

Lados wurde abgeführt, der nächste kam an die Reihe. Er kam aber nicht dazu, seinen Namen zu nennen, denn der Gleiter, der sie abholen sollte, landete in diesem Moment. Neben ihm landete ein zweiter, kleinerer Gleiter. Sakak sprach die beiden an: ,,Ah, da ist mein Gleiter, kommt mit, laßt uns nach Hause fliegen.``

Sie standen auf und folgten ihm. Ihr Weg führte sie an den anderen Drak und an Lonkas vorbei, der ihn in diesem Moment erkannte. Voller Unglaube schrie er: ,,Icarus! Du hast nicht nur dein Volk, du hast auch den Triadon verraten! Du bist Schuld an Tinkas Tod! Du hast sie verraten, nach allem, was sie für dich getan haben!``

Er wollte antworten, wollte sagen, daß der Triadon ihm mißbraucht hat, wollte erklären, daß er keine Schuld gehabt hatte. Aber all das hätte nichts gebracht und wurde von einer Frage in den Hintergrund gedrängt. ,,Tinka ... sie ist ... tot?``

,,Sie ist nie zurückgekommen", antwortete Lonkas voller Verachtung.

Sakak packte Icarus bei der Schulter und zog ihn mit sich. ,,Glaub' ihm nicht, er möchte dich nur verwirren.``

Verwirrt, das war er wirklich. Auch deswegen ließ er sich widerstandslos von Sakak in den Gleiter führen. Wenig später hoben sie ab und flogen in das Camp zurück - ihre Heimat, wie Sakak gesagt hatte.


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