Tagebucharchiv


Dezember 17, 2006 12:19:15
Zugbekanntschaften oder die Katalysatorfunktion

Ich war letzte Woche Dienstag mal wieder bei einem Kunden und bin dazu mit der Bahn gefahren - es war eine interessante Reise.

Auf der Hinfahrt hatte ich das Erlebnis, dass ich in Lehrte auf den Anschlußzug wartete, dann kam die Durchsage, dass ein Zug durchfahren würde und tatsächlich kam ein Güterzug - der allerdings im Bahnhof hielt und keine Anstalten machte, weiterzufahren. Irgendwann war dann die Zeit gekommen, dass mein Zug kommen sollte, aber der Bahnsteig war noch belegt. Es kam eine Durchsage, dass der Zug an einem anderen Bahnsteig halten würde. Als ich dann im Zug saß. stellte ich fest, dass ich in Hildesheim gerade mal 6 Minuten Aufenthalt hatte - der Nahverkehrszug in dem ich saß, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 5 Minuten Verspätung ...

Der Zug hielt im nächsten Bahnhof, ein paar Leute gingen an mir vorbei, wollten die Türen öffnen ... Pustekuchen. Die Türen klemmten. Nach mehreren Minuten Aufenthalt ging es zum nächsten Bahnhof - diesmal wurde das Spiel dadurch getoppt, dass ebenfalls Leute von außen vergeblich versuchten, in den Zug zu kommen. Um die Dramatik zu steigern, blieben wir längere Zeit auf dem Bahnsteig stehen.

ich sagte dann dem Schaffner Bescheid, dass ich den ICE in Hildesheim bekommen müsse, er versprach mir zu telefonieren.

Wir kamen in Hildesheim an, die Türen öffneten sich ... und der ICE war abgefahren - na Klasse ...

Ich schaute dann nach der nächsten Verbindung nach Köln - eine Stunde später. Zum Glück fragte ich noch einmal nach und stellte dadurch fest, dass der nächste ICE erst zwei Stunden später fahren würde. Also ging es im Nahverkehr nach Hannover und dann mit dem ICE weiter.

Soweit die Hinfahrt, von der ich eigentlich gar nichts erzählen wollte ;-) Die Rückfahrt war dann auch spaßiger. Im ICE setzte ich mich in ein Abteil, in dem ein älteres Ehepaar und zwei Männer in meinem Alter Platz fanden. Zuerst herrschte großes Schweigen, dann kam ich ins Gespräch mit dem Ehepaar, das gerade aus dem Urlaub gekommen war und auf dem Weg nach Hannover war, wo sie von ihrer Tochter erwartet wurden. Wir unterhielten uns über diverse Themen, dann kam ich darauf zu sprechen, dass ich gerade ein Buch schreibe. Auf einmal reagierte einer der Männer im Abteil, der bislang stumm geblieben war - durch Zufall arbeitete er bei einem Sachbuchverlag und ist dafür zuständig zu beurteilen, welche Manuskripte gedruckt werden. Also unterhielten wir uns in der Folge darüber, wie es in einem Verlag vor sich geht, wie es mit der Qualität der Bücher aussieht, Druckmethoden und Co. Das ehepaar unterhielt sich dann auch mit ihm, denn der Mann arbeitet als Arzt und hat die Bücher dieses Verlages zu schätzen gelernt.

Der Verlagsmensch meinte dann bei einem der Themen auf einmal "wir möchten ja nicht die Fehler der Musikindustrie begehen", darauf hin meldete sich die letzte Person, die noch schwieg. Er hat in Hamburg ein Plattengeschäft (d.h. er handelt mit Vinylplatten) und kennt sich auch sonst im Musikgeschäft aus.

Am Ende sprachen dann alle miteinander und unterhielten sich gut - ich schwieg die meiste Zeit und hörte genüsslich zu.

Dieser Tag war mal wieder der Beweis, dass ich einen kommunikativen Katalysatoreffekt verursache. Soll heißen, durch meine Anwesenheit sorge ich dafür, dass Menschen zueinander kommen und ins Gespräch geraten. (Sowas in der Art habe ich auch gemacht, als ich zuletzt in Hamburg war. Da habe ich dafür gesorgt, dass Magda mit jemanden ins Gespräch kam, der sehr gut laufen konnte. Im Endeffekt hat er dann Magda ein paar Tricks und Techniken gezeigt)

Kommentare

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